El Baile – Tanz und Neugierde

Flatternd landete Zosim auf meiner Schulter. Er schmiegte seinen Kopf an meine Wange, im Gegensatz zu mir war er während des Fluges nicht ausgekühlt sondern ganz warm. „Dann beeilen wir uns mal, dass wir noch rechtzeitig in die Stadt kommen.“, murmelt ich ihm zu, packte den Stab in den Rucksack und ließ meinen Drachen in seine Umhängetasche schlüpfen. Dann ordnete ich meine Kleidung, richtete das helle Mieder ordentlich über dem blauen Kleid, fuhr mir durch die zerzausten Locken, scheiterte daran, meine widerspänstige Mähne zu zähmen und marschierte los.

Methumis ist für seine Bunte Mauer berühmt. Die gesamte Stadtmauer ist bemalt. Szenen aus der aventurischen Geschichte, von Ereignissen und Persönlichkeiten, Götter- und Menschenwirken sind dort verewigt. Beim Näherkommen wurde das ununterscheidbare Bunt langsam zu einzelnen Bildern: Geron der Einhändige, wie er den Drachen bekämpft, die goldene Stadt Bosparan, glorreiche Könige vergangener Zeiten. Vor dem großen Stadttor hatte sich eine kurze Schlange Wartender gebildet, Wanderleute, Handwerker und Händler. Es ging schnell voran, was mich aber beunruhigte war die scharfe Auslasskontrolle auf der anderen Seite des Tores. Hier wurden Fragen gestellt, die Ausreisenden wurden genau gemustert. Gerade wurde ein Fuhrwerk unter dem resignierten Blick des Kutschers genauestens durchwühlt.
Mir fiel auf, dass vor allem junge Männer besonders eingehend untersucht wurden. Anscheinend war bereits die gesamte Stadtgarde auf der Suche nach Therio, der ihnen in der Mordnacht entkommen war. Und anscheinend hatten sie weiterhin keine Ahnung, nach wem genau sie suchten und wo sich dieser jemand aufhielt.

Obwohl wir nicht lange warten musste, regte sich Zosim unruhig in seiner Tasche. Ich langte hinein und stupste ihn leicht an seiner Nase, damit er drinnen blieb. Wir kamen immer näher an die Wachen am Tor, ich wollte so unauffällig wie möglich in die Stadt kommen und da wäre ein silbrig-grüner Taschendrache hinderlich. Man würde sich sofort an uns erinnern.
Am Gardisten angekommen, der die Ankommenden passieren ließ, fragte ich ihn nach der Kontrolle und ob es Probleme im Umland gab. Der Mann wandte sich erfreut zu mir um, offensichtlich gar nicht unglücklich, abgelenkt zu werden. „Wir suchen einen Mörder!“ erklärt er wichtigtuerisch und setzt zu weiteren Erklärungen an, als ihn eine Kollegin zurechtwies: „Hagen! Tändel da nicht rum, wir brauchen dich hier!“ Sie warf mir einen ärgerlichen Blick zu und wühlte dann weiter in halbvergammeltem Gemüse in einem Bauernfuhrwerk herum. Hoffentlich hatte sie sich mein Gesicht nicht gemerkt… aber sie musse heute schon sehr viele Gesichter gesehen haben, da hatte sie mich wahrscheinlich schon bald wieder vergessen.
Dann waren Therio und Bosper tatsächlich noch frei!, jubelte ich innerlich und ging schnell weiter.

Die salzige Meeresbrise strich durch die Straßen. Trotzdem war es immer noch angenehm. Allenthalben strömten die Menschen von der Arbeit in ihr Zuhause oder in die Taverne. Am Kornmarkt fand ich sofort das Gasthaus, in dem die da Merinals genächtigt hatten und in dem die Gardisten vergeblich nach den verschwundenen Brüdern gesucht hatten. Der Schankraum war gut besetzt, nur eine Handvoll Tische waren noch frei. Der Wirt versicherte mir, dass er aber noch ausreichend Zimmer frei hatte und wir konnten uns einig werden, dass ich mich für Kost und Logis an der Abendunterhaltung seiner Gäste beteiligte.
Nur Zosim wollte sich nicht mehr unauffällig verhalten. Er war aus der Tasche an meiner Seite geschlüpft, hatte den Tresen erklommen und die Farbe des Holzes angenommen. In solcher Tarnung schlich er sich an den Wirt an, der so gut nach Essen duftete, sah ihn von unten herauf an und fragte frech: „Hm, lecker! Ratte?“
Erschrocken schnappte ich ihn wieder, setzte ihn vor mich und entschuldigte mich hastig für sein ungezogenes Verhalten. Wenn das einer der Gäste mitbekommen hatte… Aber der Wirt lachte herzlich und nahm es ihm nicht übel.

Der Gastwirt ging wieder seiner Arbeit nach. Ich sah mich in der Gaststube um, den „grusligen Magier“, wie ihn Shila beschrieben hatte, konnte ich zwar nicht entdecken, dafür hörte ich aber im allgemeinen Gesprächslärm an einem Nebentisch die Worte: „…auf diese Weise habe ich schon neue Heilmethoden erfahren und neue Pflanzen kennen gelernt, die als Zutat für Arzneien verwertbar sind.“
Da bemerkte ich auch eine Tasche in den Farben Tsas, wie sie viele Heiler besitzen, unter dem Tisch stehen. Shila zufolge hatten ihnen ein Magier und zwei junge Frauen, von denen eine Heilerin war, geholfen, überhaupt von der Anklage gegen Bosper zu erfahren. Dort saßen drei junge Frauen, von denen eine Südländerin und in eine Magierrobe gekleidet war, eine war sehr gut gekleidet, und ein junger Mann, der ebenfalls einen Kaftan aus teurem Stoff trug. Nicht ganz die beschriebene Gruppe, aber die Heilerin war die einzige Person, auf die wenigstens die eine Beschreibung von Shila passte.
Über den Lärm in der Taverne konnte ich nicht mehr von ihrem Gespräch verstehen, aber Zosim hatte die besseren Ohren. Er hörte zu und ich unterhielt mich weiter mit dem Wirt und fragte ihn über die Stadt aus.

Dann war es Zeit für meine kleine Aufführung. Meine erste Aufführung in Methumis, seit langem nicht mit meiner Zahori-Sippe sondern ich allein, als almadanische Lamento-Tänzerin.
Als erstes tanzte ich einen Baile mit wechselndem schnellen und langsameren Rhythmus, zu dem ich mich selbst mit dem Tamburin begleitete. Als der letzte Takt beendet war, donnert Applaus durch die Taverne, begleitet von Rufen nach mehr! Ich strahlte. Mit einem so guten Einstand hatte ich kaum gerechnet, sie waren begeistert!
Für meinen zweiten Tanz wählte ich einen Baile, der wie der Regen an- und abschwillt und den ich mit einem Paar der Kastagnetten untermalte. Auch diesmal war der Beifall laut und herzlich. Den dritten und vorerst letzten Baile für diesen Abend gestaltete ich ruhig und getragen, mit anmutigen Drehungen und verschlungenen Armbewegungen. Ich begleitete ihn nur mit Palmas, dem Händeklatschen. Wieder wurde ich mit Applaus belohnt, der Wirt dankte mir überschwänglich und ich reichte das Tamburin zum Sammeln herum.

Während des Tanzens war eine weitere Frau in etwa meinem Alter hereingekommen und hatte sich an den Tisch meines Interesses gesetzt. Nun zogen sie sich in ein Hinterzimmer zurück. „Zosim, was hast du mitbekommen?“ In rascher Folge, in Worten und Bildern, berichtete mir der Drache in Gedanken, was er gehört hatte: Die Magierin hieß Melina, sie war aus dem fernen Mhanadistan und nun am Herzogenhof, um unter der hiesigen Hofmagierin zu studieren. Ihre Fachgebiete waren die Hellsichtsmagie und die Telekinese. Das ließ mich aufhorchen. Hellsichtsmagie… ich musste mich vorsehen, meine Tarnung als einfache oder minder magisch begabte Tänzerin vor ihr aufrecht zu erhalten.
Gesine, so hieß die Heilerin, und Dhana, das war die dazugekommene Frau, hatten beim Bankett am vergangenen Abend, zu dem auch die da Merinals eingeladen waren und das mit Bospers Mordanklage endete, mit Melina Bekanntschaft gemacht. Horathio, der Adlige, war auf Nachforschungen der beiden Frauen am Hof aufmerksam geworden und sollte dem nachgehen. Die adlige Frau hieß Clarizia da Yaladan und war die Verlobte des Ermordeten, Lumino della Tegalliani.
So viele Namen und so viele Adelshäuser. Es kam mir bald so vor, als wäre die gesamte horasische Nobilitas, die hier in Methumis lebte, in diesen verzwickten Fall vergestrickt.

Bevor sie sich jedoch allesamt in das private Hinterzimmer begaben, sorgte Clarizia für Aufsehen. Ich weiß nicht, was der adlige Horathio zu ihr gesagt hatte, aber was immer es auch war, es hatte sie binnen eines Wimpernschlags aufs Äußerste erregt. Sie warf ein paar Münzen auf den Tisch und rauschte zur Türe hinaus.
Glücklicherweise hat Zosim ein außerordentlich gutes Gehör, wenn es darum geht, andere zu belauschen. Er konnte mithören, dass Clarizia der Überzeugung war, ihr eigener Vater, Ludovigo, stecke hinter dem Mordes an ihrem Verlobten. Beweise, die dafür oder dagegen sprachen, gab es allerdings keine und sie begründete ihre Vermutung nicht. Horathio riet ihr ab, diese Beschuldigung öffentlich zu machen. Das wäre ein Skandal, wenn die Tochter Ermittlungne gegen das Oberhaupt ihrer Familie, ihren Vater, anstellte. Daraufhin verließ sie die Taverne wutschnaubend, die anderen verzogen sich in den Nebenraum.

Und ich schickte Zosim hinterher, er sollte von außen das Fenster suchen und wieder mithören.


 

Davor: Methumis – Fünfzehn Fakultäten und ein Todesfall

Methumis: Fünfzehn Fakultäten und ein Todesfall

Methumis, glänzende Perle des Onjet, Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums und Stätte der Bildung, der Herzog-Eolan-Universität mit Fakultäten für alle Gaben, mit denen die Zwölfe, Horas und Nanus die Menschen gesegnet haben und Sitz der Akademie des Magischen Wissens, hehres Methumis, aventurienweit berühmt für seine Bunten Mauern, eines der Zwölf Menschenwunder, Anfang Tsa (Februar) des Jahres 1027 B.F.
Auf unserer Reise durch das Horasiat sind die da Espadin-Sippe und ich in der schönen Stadt Methumis angelangt. Das Klima ist mild, sogar schon jetzt Anfang Tsa, und das Publikum freigebig, wenn auch verwöhnt. Doch für eine schöne Frau haben die Männer immer Augen. Es ist unsere erste größere Stadt, da wir Neetha umgangen haben – dort ging der Flinke Difar um, und darauf können wir dankend verzichten. So langten wir von Süden kommend an der Stadt an.

Schon aus der Entfernung sahen wir einen Hof, der ein gutes Stück vor der Stadt lag. Eine angenehme Überraschung erwartete uns: Die Familie da Merinal, die berühmteste Gauklerfamilie des Lieblichen Feldes, wohnte hier vor Methumis und sie luden uns zu sich ein. Mich erwartete ein freudiges Wiedersehen mit lieben Freunden, denn ich hatte Therio und Bosper da Merinal im letzten Jahr beim Gauklertreffen in Fasar kennengelernt und schnell mit ihnen Freundschaft geschlossen. Wir sind etwa im gleichen Alter und haben uns auf Anhieb hervorragend verstanden. Ich freute mich, wieder mit den beiden über die Marktplätze der Stadt zu streifen. Schon von Weitem winkte ich den Eltern der beiden zu, sobald ich sie sah. Mit einem Handgriff hob ich Zosim auf meine Schultern, damit er es sich dort bequem macht, um meine Freunde umarmen zu können und eilte ihnen mit einem strahlenden Lächeln entgegen. Neetya und Zoe, die beiden jüngeren Töchter, winkten zurück. Sobald ich vor ihnen stand, hatten die beiden nur noch Augen für Zosim. Die Ältere hielt ihm den Apfel, an dem sie gerade knabbert, hin, und Zoe quietschte vor Freude, als der kleine Drache an ihr schnupperte.
„Hallo! Wie schön, dass wir uns schon wiedersehen! Ich dachte, das würde noch bis zum nächsten großen Treffen-“ Abrupt brach ich ab, als ich die beklommenen Mienen der beiden bemerkte. „Ist etwas passiert?“, fragte ich leise mit besorgter Stimme. Es konnte nur etwas Schlimmes passiert sein, so betrübt wie sich Colon und Shira jetzt ansahen. „Wo ist denn der Rest? Therio… Bosper?“
Colon und Shira warfen sich besorgte Blicke zu. „Nun, es gibt da ein… Problem“, sagte Shira mit Seitenblick auf die Kinder. „Neetya, Zoe, wollt Ihr beiden nicht mal nachsehen, ob alle Gästezimmer gerichtet sind, und ob es nicht bald Abendessen gibt?“ Die Mädchen schauten enttäuscht, gingen aber gehorsam wieder hinein, wobei sie Zosim sehnsuchtsvolle Blicke zuwarfen, derweil die anderen Zahori ihre Pferde und Wagen in die Stallungen bzw. die Remise verfrachteten. Shira atmete tief durch. „Du bist ja befreundet mit unseren Jungen, dir können wir es ja erzählen…“ – „Zorya, etwas Schreckliches ist geschehen!“ Colon hatte Tränen in den Augen und setzte sich schwer auf die kleine Holzbank vor dem Haus. „Bosper ist noch in Methumis, er wird des Mordes beschuldigt. Therio ist auch noch dort und sucht ihn, aber wir hören überhaupt nichts. Wir sind außer uns vor Sorge!“
Ein paar Herzschläge stand ich wie betäubt. Mord! Das war eine schlimme Anklage. „Mord?“, flüsterte ich ungläubig. Nicht, dass ich ihnen nicht geglaubt hätte – ich sah ja, dass dies kein schlechter Scherz war. Ich konnte nur nicht glauben, dass der fröhliche und liebe Bosper einen Mord begangen haben konnte. Ohne große Umstände ließ ich mich neben Colon auf der Bank nieder und legte meine Hand auf seinen Oberarm. „Was ist denn passiert?“ Mein Blick wanderte entsetzt zwischen Shira und ihrem Mann. Ausnahmsweise verhielt sich sogar Zosim still. Unzählige Fragen schossen mir durch den Kopf. Wann war das passiert? Wie hatten sie davon erfahren? Wer war getötet worden? Ich ließ sie ungestellt und wartete angespannt die Antwort ab. Mir wollten keine tröstenden Worte über die Lippen kommen, alle Floskeln würden sich nur hohl und leer anhören.
„Das ist ja das Schlimme, wir wissen gar nicht viel. Die Stadtgardisten, die nach ihm gesucht haben, haben etwas gesagt von ‚auf frischer Tat ertappt‘, aber das können wir einfach nicht glauben! Wir mussten wieder heim mit den Mädchen, sie haben von alledem nichts mitbekommen und denken, ihre Brüder sind noch in der Stadt und amüsieren sich. Zum Glück ist wenigstens Therio noch in Methumis, aber auch er hätte längst eine Nachricht schicken sollen. Und dann sind da noch ein paar andere, die kurz mit uns gereist sind – was aus denen geworden ist, weiß ich überhaupt nicht.“ Colon stützte verzweifelt das Gesicht in die Hände, Shira legte ihrem Mann einen Arm um die Schultern, auch in ihren Augen standen Tränen.

Mir wurde immer elender zumute. Ich musste ein paarmal schlucken, bevor ich meiner Stimme wieder traute. „Also zuerst einmal: Es steht außer Frage, dass ich euch helfe, ihn da rauszubekommen.“ Ich versuchte ein aufmunterndes Lächeln. Es verblasste sobald es halbwegs zustande kam und wich einem entschlossenen Gesichtsausdruck. „Es kann nicht schaden, dass man mich in der Stadt nicht kennt“, überlegte ich. „Niemand wird mich sofort mit euch in Verbindung bringen und mir gleich misstrauen, wenn ich mich nicht allzu ungeschickt anstelle. Was ist denn genauer der Reihe nach passiert?“ Ich setzte mich gerade hin und ließ Zosim auf ihren Schoß klettern. „Ihr… ihr wart unterwegs? Und ihr seid auch erst… gestern? in Methumis angekommen?“, fragte ich bedächtig nach beim Versuch, mir ein Bild von der furchtbaren Lage zu machen.

Shira riss sich sichtlich zusammen. Ich erfuhr, dass sie am vierten Tsa, also vorgestern, spätnachmittags wieder an die Stadt gekommen sind und auf dem Kornmarkt, dem größten Platz Methumis‘, vor dem Castello des Herzogs eine Vorstellung gaben. Abends waren sie von und bei dem Herzog zum Bankett eingeladen – das ist so üblich, sagte sie mir, er ist ein sehr großzügiger Mann. In der Nacht stürmten Gardisten das Wirtshaus, in dem sie nächtigten und suchten nach Bosper, der aber nicht da war. Auch sein Bett war unberührt. Sein Bruder Therio war mit einigen Bekannten, zwei Frauen und einem Zauberer, deb Shira gruselig nannte, zum Gardehaus geschlichen und sie hatten dort von der Mordanklage gehört.
Diesmal schaffte ich ein leises, aufmunterndes Lächeln, als sie ihren tapferen Bericht endete. „Genau. Ich kann ja mal damit anfangen eure drei Bekannten ausfindig zu machen und sie zu fragen, ob sie gestern etwas herausgefunden haben. Sie wissen bestimmt mehr… Und Zosim kann euch dann Bescheid sagen.“ Sie stupst den kleinen Drachen an, der sich unter ihrem Streicheln wohlig geräkelt hat und der ihr Vorhaben jetzt mit einem Brummeln der Unlust quittert. „Dochdoch, du kannst dich auch nützlich machen. Schadet dir gar nichts, kleines Faultier…“, insistierte ich und schwieg nachdenklich.
Was sollte ich danach tun? Es ging ja nicht darum, sich in das Haupthaus der Garde oder wo auch immer Bosper festgehalten wurde, einzuschleichen und ihn im Schutz der Harmlosen Gestalt in die Freiheit zu schmuggeln. Falls ich überhaupt so weit kommen würde. Denn dann würde man ihn weiter suchen und seine ganze Familia würde verdächtigt. Ich wusste auch nur, dass er vor fast zwei Nächten noch gesucht wurde, aber nicht, ob die Stadtgarde ihn in der Zwischenzeit gefunden und unter Arrest gesetzt hatte.

Ich fällte meine Entscheidung. Shila und Colon mussten eher früher als später erfahren, was überhaupt passiert war und wie die Situation in der Stadt momentan aussah. Nunja, ersteres galt es wohl noch mühsam herauszufinden. Ich war immer noch geschockt von der Nachricht, aber jetzt, wo ich davon erfahren hatte, hätte ich es nicht aushalten können, ruhig zu abend zu essen und erst den nächsten Morgen abzuwarten.
„Colon, Shila — dann gehe ich heute noch in die Stadt. Könnt ihr mir bitte noch ein schnelles Abendessen geben?“ – „Essen?“ Bei dem Stichwort reckte der Taschendrache den Kopf nach oben und witterte.
Eine Kutsche hatte ich nicht zur Verfügung, und die Zugpferde der Wagen wollte ich nicht um ihre wohlverdiente Rast bringen. Außerdem müsste ich dann auch noch erst einen Mietstall suchen und würde nicht so ungesehen wie geplant wieder aus Methumis heraus kommen.
„Ich denke, ich komme dann später am Abend wieder her. Aber sollte sich an den Plänen etwas ändern, kommt Zosim vorbei und sagt euch Bescheid“, schlug ich vor.
Nach einer kalten Mahlzeit ging ich zu Fuß ein Stück des Wegs, suchte mir einen Platz, der mich vor neugierigen Blicken schützte und schwang mich auf meinen Tanzstock, der mir als Fluggerät diente. Im Schutz des Waldes näherte ich mich Methumis in der Luft, stieg wieder ab sobald man mich von den Mauern aus entdecken konnte und ging wieder, ganz die gewöhnliche, wenn auch sehr hübsche junge Hazaqi – die Tänzerinnen des fahrenden Volkes – zu Fuß weiter. Das wäre doch gelacht, wenn ich dieser Stadt nicht meinen Freund in Not entreißen könnte?


 

Danach: El Baile – Tanz und Neugierde