Auf Tortuga! Teil 3

Auf der LARP-Veranstaltung Tortuga geht die Ordensschwester Lydia auf der gleichnamigen, berühmt-berüchtigten Pirateninsel Tortuga dem Missionsauftrag ihrer Kirche nach.

Dort schloss sie Bekanntschaft mit dem Naturforscher Alexander von Rumboldt und mit dem Tod. Sie parlierte mit der tortugiesischen Oberschicht und genoss einen Opernabend (siehe Teil 2).

Mit dem letzten Teil nimmt das Geschehen eine ernste Wendung…


Auf Tortuga! Teil 3

Aufbruch von Tortuga

Raul vereinbarte mit den von Rumboldts – Alexander von Rumboldt, seine Frau Lumumba und ihre Praktikantin – dass sie am Abend zum Abendessen und für ein anschließendes Kolloquium zu uns kommen.

Die Nacht brach herein, wir waren in angenehmer Gesellschaft und ich diskutierte mit Lumumba über meine Abhandlung „Von Raben und Krähen„. Allem Anschein nach handelt es sich doch um zwei unterschiedliche Arten und nicht um die gleiche Spezies, wie ich hartnäckig angenommen hatte.

Der Eindringling

Plötzlich wurden wir unterbrochen. Der Casinobesitzer in hoher Begleitung: Besuch von Ragabash. Sie meckerte natürlich, dass ich mich nicht tief genug verbeugte, aber durch eine Laune, die mir zugute kam, ging sie meiner Weigerung nicht nach. Die Totenbeschwörerin hatte jedoch eine kleine Rede für uns vorbereitet, in der sie uns großspurig kund tat, dass sich einer der anderen mächtigen Nekromanten der Insel – ein gewisser Baron Martin – geopfert hatte. Ein großer Verlust für Tortuga, sagte sie. Doch dank dieser selbstlosen Tat, frohlockte sie , würden sich in diesem Augenblick rund um Tortuga Geisterschiffe aus den Fluten erheben. Wir sollten dieser Tat unseren Respekt zollen, forderte sie uns auf. Keiner von uns schien zu wissen, was genau sie von uns verlangte, und wahrscheinlich wusste sie es selbst nicht einmal. Meine Erinnerung daran ist verschwommen, ich weiß noch, dass ich in ihrer Gegenwart körperliches Unwohlsein verspürte und mir die Zeit sehr lang vorkam. In Wirklichkeit wurde sie nur ihre Rede los, bereitete uns allen Unbehagen mit ihrer Anwesenheit und stolzierte dann in die Nacht und in Richtung Marktplatz davon.

Endlich konnte ich aufatmen. Am Opernabend war es das erste Mal passiert, dass mir mit einem Mal übel wurde und mir so stark schwindelte, das Yassir mich zu einem Stuhl führen musste. Es muss die hohe Zahl an Untoten auf Tortuga sein, die mir so zusetzt.

Die Berufung

Ihr Auftritt in unserem Lager hatte einen Funken in mir entzündet. Tief in meiner Seele wusste ich, dass diese Nacht nicht mehr alleine ich selbst meine Handlungen bestimmte, sondern eine höhere Macht. Mein Gott leitete mich, zeigte mir den Weg.

Ragabash, diese Nekromantin… Sie schart Untote um sich und jocht andere unter ihren Willen. Aber sie verkörpert auch Aspekte meines Gottes: Den Tod an sich, die nächtlichen Gefilde und die Rauschhaftigkeit. Sie hatte mich eingeschüchtert. Aber ich trug mich schon einige Zeit mit dem Gedanken, dass ich mehr über sie herausfinden wollte. Vielleicht gab es etwas an ihr, mit dem ich mich aussöhnen konnte?

Ich bin keine Predigerin mit Feuer und Schwert. Aber ich hatte keine Wahl. Ich nahm mein Räucherfässchen und entzündete Weihrauch. Ich nahm das Salböl. Dann ging ich zum Marktplatz, Pablo begleitete mich. Raul, Yassir und Kiata mussten auch irgendwo im Gedränge sein, aber ich sah sie nicht. Ich ging an den dunklen Altar und besprengte ihn unter leisen Gebeten mit dem gesegneten Salböl. Pablo unterstütze mich und meinte, ich solle lauter beten, doch das wäre mein sofortiger Tod gewesen, da ich außer ihm keine Hilfe hatte und alle Piraten auf dieser verrückten Insel sich vor Ragabashs Gewalt beugten.

Die Kerzen auf dem Altar erloschen. Ich deutete es als gutes Omen, dass mein Herr meine Gebete vernommen hatte.

Und als nächstes fand ich Ragabash, ohne sie suchen zu müssen. Am Rand des Tavernengedränges und ohne ihre untote Schar – zumindest war keiner in ihrer Umgebung in der Dunkelheit unmittelbar als Zombie zu erkennen.

„Uff, das stinkt!“, maulte sie mit einem angewiderten Blick auf mein Weihrauchfass, das ich beständig in Bewegung hielt. Ich erinnere mich nicht mehr im Worlaut an das Gespräch, aber ja, ich habe tatsächlich eine Unterhaltung mit ihr geführt. Ich sagte ihr, dass ich dem Herrn der Seelen diene, der auch um Schlaf und Vergessen angebetet wird, und dass dieser Gott die Erhebung von Untoten ablehnt. Dass ich gerne mehr über ihre Macht und ihren Einfluss erfahren würde, um herauszufinden, was davon mit meinem Gott zu vereinbaren wäre. Ich weiß noch, dass sie das zum Nachdenken brachte, aber was sie mir antworten wollte, bleibt für immer ungesagt.

Der mordende Lakai

Denn der Mann neben ihr mischte sich in unser Gespräch ein: „Lass sie mich töten! Ein paar Jahrhunderte auf einer der Galeeren werden sie schon eines besseren belehren!“, heulte er. Dies waren in etwa seine Worte, mit denen er Ragabash daran hinderte, mit mir zu sprechen. Unterbrach er mein Gespräch mit seiner Herrin, weil er mich insgeheim fürchtete? Ich wunderte mich, dass sie ihn nicht aufforderte, still zu sein, wenn sie ein Gespräch führt.

Ragabash gab nie ihr Einverständnis. Sie wollte mir antworten, doch sie kam nicht dazu. Denn ihr Lakai sprang vor, setzte mir die Klinge an die Kehle und… zog mir den Stahl durch den Hals.

Ich muss es nicht im Detail beschreiben: Ich starb. Ich hörte noch, dass rund um Pablo Gedränge und Lärm herrschte. Dann war alles gedämpft, wie unter Wasser, und mir war, als sähe ich von oben meinen Körper am Boden liegen. Der Totenrufer steckte qualmende Räucherstäbchen rund um meinen reglosen Leib in den Boden und rief in fremden Zungen Beschwörungsformeln gen Himmel. Ich fürchtete, dass ich mich im nächsten Augenblick dabei beobachten müsse, wie sich mein eigener, toter Körper als wandelnder Leichnam erhebt… doch es geschah nicht.

Die zweite Begegnung mit dem Tod

Stattdessen fand ich mich im nächsten Wimpernschlag einer bekannten Gestalt gegenüber: Dem Tod. Neben mir stand Pablo, aber es war nur sein geistiges Abbild – so wie auch ich körperlos war. Graue Leere umgab uns.

„Ich bin immer noch im Urlaub“, sagte der Tod, „aber weil du es bist, Lydia, habe ich die Arbeit ausnahmsweise übernommen. – Wie ihr vielleicht wisst, bin ich einem Spielchen nicht abgeneigt und ihr habt eine Crew, die sehr an euch hängt. Sie haben um euer Weiterleben gespielt. Allerdings… haben sie nur ein Spiel gewonnen. Nur einer von euch kann in die Welt der Lebenden zurückkehren.“

Pablo und ich blickten uns an. „Du gehst zurück.“, sagte ich ohne zu zögern. „Ich bin auf den Tod vorbereitet; ich habe keine Angst davor, zu sterben. Ich gehe zu meinem Herren.“ Pablo war erleichtert – auch ein Freibeuter ist irgendwie ein Pirat, der jede gute Chance nutzt, die sich ihm bietet.

Plötzlich blickten die knochigen Augenhöhlen des Todes ins Leere. Sie schien zu lauschen und auch ich glaubte, in der Ferne eine mächtige Stimme zu hören, die nur durch die große Distanz nicht zu verstehen war. Im Gegensatz zu mir hörte sie die Worte. „Was meint Ihr?“, fragte sie halblaut. Weder Pablo noch ich hatten etwas gesagt, uns konnte sie nicht meinen. „Wirklich? Na, wenn das so ist… Da kommt aber wieder gehöriger Papierkram auf mich zu. Wenn Ihr meint. Also gut.“

Sie wandte sich mir zu: „Sieht so aus, als wäre deine Zeit doch noch nicht zu Ende. Ich wurde gebeten, dich auch zurückzuschicken.“

In dem Bewusstsein, dass es nicht unsere letzte Begegnung war, schwand mein Bewusstsein…

…und ich erwachte in meinem zerschundenen Körper.

 

Davor: Auf Tortuga! Teil 2

Danach: Rezension: Tortuga 2019 – Phantastische Piraten und wo sie zu finden sind

Zwischen den Sternen

Logbuch der Vala Iduna von Hjolmars Drakka.

6. Anodag des Jahres 1003 nach Thors Donnerschlag

Hjolmar Hakonson wurde zum neuen Drachenführer gewählt. Sein Vater ist ein besonnener Mensch gewesen, der langfristige Entscheidungen gut durchdachte und die knapp drei Dutzend Einherjer unter ihm mit sicherem Gespür für den Einzelnen und die Gemeinschaft vereinte, für einen Sterblichen. Dem Jungen fehlen noch viele Eigenschaften eines guten Anführers. Er ist hitzköpfig, kurzsichtig, will sich beweisen, das Denken in größeren Zeiträumen als zehn mal zehn Tagen ist ihm fremd. Ich selbst blieb bei der Abstimmung natürlich außen vor, da ich als Gray, wie man uns Alterslose landläufig bezeichnet, immer eine beratende Funktion innehabe.
Woher die Bezeichnung übrigens kommt, Gray, das ist mir nicht bekannt. Ich studierte die Raumfahrt, die Geschichte und Religion unseres Volkes, nicht die Sprachen des Universums. Vielleicht brachten die Genmanipulationen der ersten Unsterblichen eine Verfärbung der Haut mit sich und aus grey, grau, wurde der Eigenname Gray. Doch das ist nur meine Mutmaßung. Viel Wissen ist in der frühen Zeit der Stjernalandnáma, dem Beginn der Raumfahrt, unwiederbringlich verloren gegangen. Manches Ereignis mögen die Gray anderer Völker in ihrer Erinnerung bewahren, wie die Seher der Leere, diese Einsiedler, die an den entlegensten Orten in Abgeschiedenheit, Isolation leben, um ohne eine Menschenseele um sich das Universum studieren zu können. Der Grad vom eigenbrötlerischen Sonderling zum schier Verrückten ist schmal.

 

21. Tyrsdag 1005 n.T.D.

Nächste Woche endet der Winterschlaf der Mannschaft. Ich bin froh, nach zwei Jahren nicht mehr nur einmal im Monat für zehn Tage einen einzelnen Snickar zu meiner Gesellschaft zu haben, wenn die Maschinen gewartet werden mussten. Nach wochen- und monatelangen uninteressanten Partien aller bekannten Brettspiele gegen mich selbst würde ich mich derzeit sogar über den Drachenführer freuen. Ich bin sicher, dass ich diese Meinung nach wenigen Stunden mit Hjolmar revidieren werde.

 

22. Manensdag 1005 n.T.D.

Es war soweit. Nacheinander ging ich die Midwintar-Särge der Mannschaftsmitglieder ab und stellte in Dreierpaaren die Programme der Kältezellen von ‚Midwintar‘ auf ‚Midsommar‘. Während ich ihre Lebensfunktionen überwachte, hauchte ihnen die Maschine Baldrs Atem ein und erweckte sie wieder aus ihrem langen Kälteschlaf. Nach Rig-Heimdalls Ordnung hatte ich bei den Snickar begonnen, nach ihnen würden die Karle folgen, denen in unserer Drakka die zehn Walküren angehören, danach die Jarle, das sind der Hetmann, der oberste Snickar und die Anführerin der Walküren.
Doch so weit kam ich nicht, die Nornen hatten Anderes bestimmt. Zwei der drei letzten Techniker erwachten langsam, aber der dritte Monitor zeigte keine Reaktionen. Der Mann wurde aufgetaut, doch sein Herz schlug nicht. Sven hieß er. Ich versicherte mich kurz, dass die Anzeige intakt war – wenn ich irrtümlich in den ‚Midsommar‘-Prozess eingriff wäre es sein sicherer Tod –, dann rannte ich zu dem Gerät, dass sein Herzschlag vielleicht wiederbringen konnte.
Aufladen. Der erste Schock. Herzflimmern, kein Puls.
Aufladen. Der zweite Schock. Herzflimmern. Kein Puls.
Aufladen. Der dritte Elektroschock. Kein Puls.
Ein vierter Versuch wird ihn nicht zurückbringen. Einen vierten Versuch gibt es nicht. Zeitpunkt des Todes: Acht Uhr siebenunddreißig Schiffszeit. Sven Gunnarson ist zu Odin gegangen.

„Was ist mit ihm?“, erklang in meinem Rücken die bange Frage des anderen Mannes, der inzwischen bei Bewusstsein war. Ich drehte mich zu ihm um und schüttelte wortlos den Kopf. Er nahm es gefasst auf. Jeder wusste um die Risiken des Winterschlafs. Dann beugte er sich nach vorne und übergab sich. Es dauert mitunter mehrere Stunden, bis die letzten Nebenwirkungen abklingen. Die Übelkeit legt sich relativ schnell wieder, aber ich habe mir von anhaltenden Taubheits- und Schwindelgefühlen berichten lassen und Schwächeanfälle, Sprachprobleme und Gedächtnisverlust von Erwachten erlebt. Bei Thor, da ist mir meine Langeweile lieber.

Ich teilte den letzten Rest Met in 30 Portionen. Den Leichnam hatte ich gewaschen, ihm einfache, saubere Kleidung angelegt und in einen hellen Sack gelegt. Wir standen um ihn versammelt. Jeder hob sein Glas und sprach einen Nachruf für den Toten, bevor er seine Rede mit den rituellen Worten „Er ist zu Odin gegangen.“ beendete und den Met auf einen Zug leerte. Mit unseren Worten trat Sven Gunnarson von den Lebenden in Hels Reich der Ahnen über. Unsere Sätze waren der Anfang der Geschichten, die wir an den Abenden der Ánodagar über ihn erzählen würden.
Seine Kollegen hatten über ihn erzählt, wie er immer wieder an derselben Stelle einen Stromschlag abbekommen hatte, den jeder andere zu vermeiden wusste. Außerdem schien er ein lebenslustiger Mensch gewesen zu sein. Ich bedauerte, ihn nicht besser gekannt zu haben. Dann formulierte ich, die Gray des Thorshammers, meinen Nachruf: „Sven war ein zuverlässiger Snickar. Seine Witze werden uns fehlen.“ Für ihn war sein Winterschlaf zum Fimbultyr-Winter geworden. „Er ist zu Odin gegangen.“ Zuletzt erhielt er seinen letzten Met in der Runde unserer Gemeinschaft.
Wir trugen ihn in die Luftschleuse. Normalerweise würden wir ihn in einer Sarkophag-Drakka im Weltraum bestatten, doch ich hatte das Schiff bereits in den Orbit um unseren Zielplaneten navigiert. So blieb noch eine Bestattung im Orbit. Eine Feststoffrakete würde ihn bis in die Atmosphäre des Planeten, der als ᛒ-ᚻᛞᛗ Berkano Haglaz-Dagaz-Mannan 02.068 in den Karten verzeichnet war, befördern, wo er als Sternschnuppe sein Zeichen gen Walhall sendet.
‚Widi‘ habe ich den einzelnen Planeten für mich statt der sperrigen Katalogbezeichnung benannt, der in enger Bahn um den schwach glimmenden roten Zwerg kreist, nach der gras- und strauchbewachsenen, weitläufigen Heimstatt Widars. Es waren keine Anzeichen menschlicher Besiedlung von hier oben aus sichtbar, auch mit dem Teleskop „Hlidskjalf“ nicht. Doch das musste nicht heißen, dass Widi unbewohnt war, denn die Menschen leben die meiste Zeit ihrer Geschichte, ohne deutliche Zeichen ihrer Existenz in den Himmel gen Asgard zu schicken. Nur entlang der wenigen Binnenmeere wuchsen Pflanzen, der Großteil des mondlosen Planeten war mit Wüsten bedeckt. Dort in einer der größeren Oasen würden wir landen. Mit den Gedanken war ich bereits bei der nächsten Aufgabe, Bewohner zu finden und zunächst auf friedlichem Wege so viel Nahrung wie möglich zu erhalten.

Auf einmal ertönte ein ohrenbetäubender Schlag. Die Welt um mich wurde schwarz. Als ich aus meiner Sekunden währenden Ohnmacht hochfuhr hatte mich schon der Sog erfasst und bis kurz vor den Spalt gesogen, der mit einem Mal in der inneren Türe der Luftschleuse klaffte. Das Tor war aus seiner Schiene gesprungen und nach außen durchgebogen, an den Rändern riss die Leere mit aller Macht die Luft an sich, nach draußen. Sirenen schrillten und die blecherne Stimme der Drakka informierte uns, dass der Sauerstoffgehalt sank und fragte, ob sie das Schott des betreffenden Schiffsabteils verriegeln sollte. Das Schott befand sich hinter uns.
Ich hatte keine Zeit auf die Drakkafylgia zu reagieren oder auf Anweisungen von Hjolmar zu achten. Hektisch griff ich nach dem ersten Halt der sich mir bot und Loki lächelte einmal auf mich herab: Ich erwischte den Griff direkt neben der Türe. „Yggdrasilssplitter, Weltenbaumrinde, der Eschenkronenzweig gibt Wachstum dem Wunden…“, beschwor ich schnell die Kraft des Splittes der Weltenesche, den ich immer bei mir trage, mit dem ersten passenden Stabreim, der mir in meiner Not einfiel. In Sekundenschnelle schmolz das Material der Türe und verwuchs mit der Bordwand. Wir waren gerettet.
Aber ich noch nicht. Ein rascher Blick durch den Raum zeigte mir, dass ich die letzte war, die sich noch nicht hinter das Schott zurückgezogen hatte – und das Sicherheitstor war schon halb geschlossen! Hjolmar stand direkt neben der immer kleiner werdenden Öffnung an einem der Runensteine, mit denen wir mit der Drakkafylgia in Kontakt treten konnten und er tippte hektisch und hochkonzentriert auf die eingeritzten Runen ohne mich eines Blickes zu würdigen. Wollte er mich vor den Augen der versammelten Mannschaft ausschließen und dem Tod überlassen? Mit mehr Wut auf ihn im Bauch als Furcht um mein Leben stieß ich mich von der Wand ab und flog, da uns Ymirs Griff nicht hielt, auf den Hetmann zu. Das Schott schloss sich, Sekundenbruchteile nachdem ich im Abteil dahinter inmitten der Mannschaft gelandet war.
Meinen wutentbrannten, sarkastischen ‚Dank‘ würdigte Hjolmar mit einem gleichgültigen Schulterzucken.

Ungeachtet des Verlusts und des Unfalls mussten wir ein Shuttle zu Widi schicken. „Musst du nicht die Reparaturen beaufsichtigen?“, fragte ich den Drachenführer, der sich für den Flug zum Planeten bereit machte. Was als Ausdruck meines Missfallens gedacht war und dennoch natürlich mehr als nur einen Funken Vernunft in sich barg – schließlich sollte er sich tatsächlich am besten mit seiner Drakka auskennen, und der Funktionstüchtigkeit des Schiffes galt oberste Priorität – überzeugte ihn. Hjolmar blieb also auf dem Schiff, während der Snickar Björn Rolafson, die Walküren Brida und Sigun unter der Führung der obersten Walküre Brünhild und ich das Shuttle und uns bereit machten. Wir luden mögliche Tauschwaren ein, überprüften die Sender, die uns einen begrenzten Kontakt zu der Drakka gewährten, und legten ab. Widi und möglicherweise seine Bewohner erwarteten uns.

Das Schwarze Auge

Unter dieser Kategorie finden sich Auszüge aus den Geschichten, die meine Charaktere oder „Helden“ – so der terminus technicus – in Aventurien, dem Universum des Schwarzen Auges, erleben.


 

Dies ist der erste Beitrag zu Noiona Marbonna, einer Geweihten Borons.

Hier kommt man zu Minerva Ragana, der Sechsten Gezeichneten der Borbaradkampagne.

Und der Anfang von Vanaes Erlebnissen, einer jungen nordischen Seherin.