Birds‘ Eyes

smoke and fog and dullness

the morning commuter jam

exhaust and noise and yet no advance

when you see it through the eyes of a jay

a pearl necklace of bright white and red lights

curls along the roads like glittering veins

 

frost is biting the tip of your nose

your fingers are numb and so are your toes

snowflakes are melting so cold on your neck

when you see it through the eyes of a merle

diamonds are falling from the sky

each one unique

 

your neighbours rummage through their rooms

their baby is crying for hours it seems

do they have elephant company?

when you see it through the eyes of a pecker

it’s everyday apartment life

still your house is cosy and warm

 

(16.11.2017)

Wasser und Luft

Das Nebelschleierweiß bewegt ein leiser Hauch
feuchtigkeitsschwangere Luft, luftige Feuchte
schwerer Atem verwirbelt den dicken Dunst

Steter Luftzug rührt mit unsichtbaren Händen
die silbernen Saiten des Sprühregens
rauschende Klänge aus Silberstaubtropfen

Die Brise zerrt die Gischt zum wilden Reigen
schleudern und fallen, wirbeln und springen und fliegen
glitzernde Nässeperlen salzig und platzen

Der Wind wallt Wellenhügel und -berge
Wogen strömen hinauf und hinab der Sog
Berg und Tal aus Zerrhimmelspiegelglas

Die Bö fährt brüllend nieder auf die See
schlägt Schaum und zerwühlt die Decke
Ströme und Strudel reißen mit, was schwach ist

Der Sturm zwingt Fluten in die Höh
Springflut, Sturzflut, Sintflutozeane
Unten kehrt nach oben

Danach zieht wieder still der Nebel auf vom Meer
mit leisem Hauch
der Atemzug verwirbelt Lufttröpfchen…

13.10.2017

 

Das Unwetter

Der Wind weht kalt über den Wellen
er ruft ihnen zu und stachelt sie an
wird zum Sturm, peitscht sie hoch

Das schmale Boot wird geschaukelt, dann geschüttelt
die Böe schiebt, die Woge zieht und der Kurs driftet
und das Ufer ist steil

Eine Bucht, nasse Gischt und polierter Stein
man sucht Schutz und Rast und findet nur Regen
nur Wasser statt Feuer

Der Weg ist steil, die Zweige tropfen
und am Wegesrand
wachsen kleine, rote Walderbeeren.

(04.09.2017)

Flut

Die Flut stieg. Daran gab es keinen Zweifel.
Der Meeresspiegel war bis jetzt kaum angestiegen, aber viele Menschen in dem kleinen Dorf hinter dem Deich bemerkten es auf die eine oder andere Art und Weise, wenn die Flut stieg: Dem Dorfpfarrer schmerzten seine Knie, die alte Apothekerin spürte das Pochen in ihrer längst verheilten Narbe, den Lehrer schmerzte es im Kopf, der Junge vom Bäcker wusste um die Flut, als er den großen Holzlöffel seiner Mutter schon wieder zu spüren bekam. Der Dorfschulze bemerkte es auch, weil er dreimal am Tag wegen Streitigkeiten gerufen wurde und Recht zu sprechen hatte. Allgemein stieg bei Flut die Gereiztheit der Menschen im Dorf.

Schon lange hatte es keine richtige Flut mehr gegeben. Zugegebenermaßen wechselten die Gezeiten natürlich in dem gleichmäßigen Rhythmus, der ihnen zu eigen ist, das sanfte Heben und Senken der Oberfläche, wie das Atmen eines ruhig schlafenden Kindes. Das gehörte zum alltäglichen Leben im Dorf hinter dem Deich wie der Wind in den Ohren und der abendliche Regen auf dem Dach. Die allerältesten, zahnlosen, glatzköpfigen Greise erinnerten sich jedoch gut an jenen Tag vor vielen Jahren, der bis zu ihrem letzten Atemzug unvergessen sein würde, der Tag der großen Flut. Sie hatten sie überlebt und Geschichten darüber erzählt. Bis jetzt waren sie nur das gewesen: Geschichten, die den Jüngeren an langen Abenden erzählt wurden, damit sie sich ein bisschen gruseln konnten und den Alten einmal zuhören mussten. Nun waren die Geschichten wahr geworden, aus den zahnlosen Mündern in die Wirklichkeit entstiegen, nach draußen. Direkt vor dem Damm braute sich nun die ganze schreckliche Geschichte erneut zusammen.

Und dann kam die Flut. Zuerst bemerken es die mit dem besten Gehör, dass das ewige Rauschen und Brausen des Meeres anschwillt wie seine Wassermassen, das gleichmäßige Hin und Zurück der Wellen wird ein mehr Hin als Zurück und immer mehr Wasser spült ans Land. Mit jedem Wegrollen nehmen die Wellen ein Stück vom Ufersand mit und versenken ihn in den Tiefen des Ozeans, von denen er niemals wieder zurückkommt. Korn für Sandkorn und Schicht für Schicht trägt das Wasser das Ufer ab.
Aus dem Wasser kam einst alles Leben, so lehrt es der Lehrer. Und im Anfang schwebte Gottes Geist über dem Wasser, predigt der Pfarrer. Dieses Wasser kennt keine höhere Macht als sich selbst und wenn doch, dann schickt es ein zorniger Gott, und diese Fluten haben nicht im Sinn, Leben zu erschaffen.
Immer mehr Masse drückt gegen den Deich, den mächtigen, der auf einmal gar nicht mehr so gewaltig und stark wirkt gegen die anwachsende Kraft und Wut des Meeres. Die Wellen klatschen gegen den Wall. Die Möwen kreischen gegen den Wind.

Keiner im Dorf weiß, warum das Meer steigt und sich dann wieder zurückzieht. Aber es weiß auch niemand, warum der Mensch atmet oder warum die Sonne scheint. Manche Dinge sind einfach so, man kann sie nicht erklären. Selbst der gescheite Lehrer in seinem Klassenzimmer, dem einzigen Klassenzimmer in der Schule, kann den Kindern nur erzählen, dass das Meer nun einmal seine Gezeiten hat und eben immer wieder steigt und sinkt und steigt und was das für die Arbeit der Fischer und ihre Boote und für die Hirten und Bauern in den Marschen bedeutet.
Das war keine gewöhnliche Flut. Das war nicht das Steigen der Oberfläche. Das kam von ganz tief unten.
Das Meer sandte seine kältesten Wassermassen an die Oberfläche, donnerte sie gegen das Land. Was lange verborgen geschlafen und Kraft gesammelt hatte, erhob sich nun mit aller Macht. Der Ozean spie Welle um Welle, kehrte seine untersten Schichten nach oben und warf sie im wilden Sturmangriff auf das Ufer. Das dunkle Wasser stieg und stieg, es drang in immer neuen, kalten Wogen aus den Eingeweiden des Meeres, um über die Küste herzufallen. Die Wellen wuchsen hoch und höher, griffen hungrig und nimmersatt nach den Vögeln am Himmel, schäumten und schlugen wie die Fäuste eines Giganten unermüdlich auf den Damm ein. Bald konnte er der geballten Wut der Fluten nicht mehr standhalten. An mehreren Stellen brach er und das Meerwasser ergoss sich in das Land. Die Marschen wurden überspült und die mageren Herden, struppige Rinder und genügsame Ziegen, ertranken. Die wenigen mickrigen Bäume, die Häuser und Hütten des Dorfes spülte das Meer hinfort, riss steinerne Wände und Mauern ein und wirbelte Menschen und Trümmer durcheinander. Der Fluss kehrte seine Richtung um, zurückgedrängt vom Meerwasser, das auf einmal nach innen drängte.
Es rauschte und wogte stundenlang. Als das Meer genug getobt und gewütet hatte, beruhigten sich die Wellen langsam. Vom Deich bleibt nur noch eine Ahnung, wo an einer Stelle das Wasser strudelt könnte er einst gelegen haben. Hinter dem Deich, wo einst ein Dorf gewesen war, hat sich das Meer eine neue Heimat genommen.

Sturm

Rollende Rabenfederwolken
bedecken die Sterne.
Wie ein Schnitt blutet am Saum
des Horizonts hell das Himmelsweiß hervor.
Sekundenhell erleuchtet ein Blitz die Szenerie,
scharfkantige Zackenzinnen ragen hoch auf.

Alle Vögel schweigen.
Speere schleudern zornige Götter,
Sturmböen auf die Erde. Bäume ducken sich.
Donnerhall lachend tanzen Dschinne wild in allen Lüften,
Wahnsinnig lacht der Tor, auf den sie zielen,
der nicht Schutz gefunden hat.

Bald wird der Irrsinn toben, kreischen,
wüten die Natur gegen jegliches Geschöpf.
Stämme bersten, krachen. Schmerzensschreie reißt der Wind
von spröden Lippen, Geräusch geht in Fetzen, geht unter
im Lärm des Untergangs. Die schwarzen Wolken reißen,
von Riesenhand zerrupft, zerrieben, getrieben.

Und dann…
taube Trommelfelle, fühllos.
Die Ruhe nach dem Sturm.

09/2012

Tierlied

Hoch fliegt der Adler auf breiten Schwingen,
malt Kreise aufs weite Himmelsblau.

Der Hirsch springt weit, den Kopf erhoben,
die Krone wie Finger nach den Wolken greifen.

Silberglitzernd stieben Fische auseinander
beugt der Kranich seinen Hals.

Hase ruft pfeifend nach den Kindern,
Haken schlagend spritzt Erde umher.

Unter den Hufen der Karene
windet sich schnell die Schlange von dannen.

Dämmert der Abend, so hallt es wider
der Ruf der Nachtigall zwischen den Jurten.

Auch ich ziehe singend über die Erde,
besinge die Schönheit, die Gaben der Geister.

(05.12.2014)

Aus dem Hintergrund einer Figur entstanden, die den Weiten der Tundra entstammt und mit ihrer Sippe ein nomadisches Leben als Jäger, Sammler und Hirten führt.

Frühlingstanz

Es zieht ein Rhythmus durch die Straßen,
unsichtbar so wie der Wind, doch er durchdringt
alles was atmet, reißt mit, was lebt
und tanzen kann.

Niemand weiß, woher er kam
wo er sich erhob zum ersten
verstohlenen Schlag, noch zögernd.
Doch jetzt ist er da.

Eine riesige Trommel dröhnt
und nimmt alle Herzen mit
bis alle gemeinsam schlagen,
im selben Rhythmus.

Die Köpfe heben sich,
lauschen auf den Takt,
ein rauschender Strom,
mehr Fühlen als Hören.

Die Blätter zittern erwartungsvoll,
ein Kreisel erhebt sich
zum Trommelwirbel,
wirbelnde Töne im wirbelnden Staub.

Der Sturm braust los,
tausend Füße tanzen,
eine Menge die sich dreht
wogt durch die Stadt.

Die Flut ergießt sich in alle Gassen,
brandet um Straßenlaternen herum,
bricht sich an Ecken und Häusern und
zieht wie die Ebbe sich wieder zurück.

Stille entsteht, Staubfunken tanzen,
Blättern rascheln leise
wieder zu Boden.
Schritte verklingen, das Echo hallt wider.

Die Stadt hält den Atem an
fällt wieder in Schlaf und wartet,
sehnsüchtig, auf den nächsten Hauch,
den nächsten Ausbruch des Frühlings.

[26.05.2012]