Schokocreme mit Streifen

Ein tragisches Morgengedicht.

Stolz auf ihr gestreift‘ Gewand ist sie, die Streifencreme,
dreht sich im nussbraunen und weichweißen Kleid
lockt das Süßmaul mit zuckerschnutigem Lachen
im Wirbel vom duftigen Spiel aus Schoko und Milch.

Will auf das Brot, die Stulle kommen,
sich breiten aus auf knusperzartem Bett.
Doch ach! – sodann sie’s beginnt und am Ziele sich wähnt
hat alsbald sie doch ihre Streifen nimmer mehr.

Ich habe an dir einen Narren gefressen

„Ich habe einen Narren an dir gefressen.“ Das soll ja eigentlich ein Lob sein. Aber nur, solange man es nicht allzu wörtlich nimmt. Dann wird es nämlich ganz schnell eklig. Verboten eklig.

Verboten und eklig.

Zugegeben: Eine altertümliche Redewendung. Vielleicht ganz gut, dass sie nicht in aller Munde ist. Denn mit dem Wörtlichnehmen zeigt man nämlich gar nicht mehr seine Zuneigung, sondern man tötet mit den Mitteln der Sprache eine geistig möglicherweise minderbemittelte Person (den „Narren“) und vollzieht an ihr Kannibalismus („fressen“). Wenn man das dann auch noch in aller Öffentlichkeit kund tot und lauthals verkündet: „Ich habe einen Narren an dieser Person gefressen“, dann ist es

Exhibitionistischer Kannibalismus

Gehen wir das Sprichwort Schritt für Schritt durch: „Ich habe einen Narren an dir gefressen.“

1. Der ‚Narr‘

Das Wort lässt an mittelalterliche Hofnarren denken, die Räder schlagen und zur Belustigung des Hofstaates als Spaßmacher angestellt waren. Wir wissen, dass diese Rolle immer wieder Versehrten oder Krüppeln zufiel.

Eine Stufe abstrakter: Der Narr ist eine Figur, die in Literatur und Film nicht (immer) mit Narrenkappe und Schellenkleid daherkommt. Die Figur zeichnet sich dadurch aus, dass sie anderen auf spielerische, spöttische, manchmal bitterböse Art den Spiegel vorhält, sie überzeichnet, ihnen ihre Schwächen aufzeigt. Indem er sich über jemanden lustig macht, zeigt der Narr häufig eine Wahrheit auf, die anderen verborgen bleiben würde.

2. Den ‚Narren fressen‘

Welchen Zusammenhang hat also dieser prototypische Narr mit der Absicht des Sprichwortes, jemandem seine Zuneigung auszudrücken? Denn seine bisweilen frivole, ennervierende und entlarvende Art macht den Narren nicht gerade beliebt.

Ist es nicht im Gegenteil eine Abneigung gegen die Gesamtheit der Narren, die sich in dem Sprichwort verewigt hat? Dieses lästige Den-Spiegel-vorgehalten-bekommen, das unliebsame Wissen, dass in seinem Spott auch ein Fünkchen Wahrheit liegt… das kann schon reichen, um den Wunsch zu verspüren, ihn wegzuputzen. Vom Angesicht der Welt zu tilgen. Ihn mit Haut und Haar… ihr wisst schon.

3. Dies ‚an jemandem‘ tun

Einen Narren „an jemandem“ zu fressen ist nach meiner wortwörtlichen Lesart eine räumliche Angabe. Das Sprichwort benennt drei Personen: Den Narren, den Esser und den Jemand. Dieser Jemand ist immer Ziel des Affekts – wer gemeint ist, hängt immer vom Sprecher ab. Im Satz ist er grammatikalisch gesehen immer gleichbleibend ein Objekt, und zwar das Dativobjekt.

Der Narr wird also an – oder nahe bei – der Person verspeist, von der der Sprecher ausdrücken will, dass er sie innig mag.

Stellen wir uns die Situation einmal ganz konkret vor. Also… wenn eine Person A, die mich gern hat, eine andere Person B, die als Narr gelten kann, an mich heranzieht und dann herzhaft in sie hineinbeißt… dann würde ich sehr wahrscheinlich Zweifel an Person A bekommen.

Und Person B vor ihrem Schicksal bewahren wollen.

Na, hoffentlich frisst Person B dann keinen Narren an mir.

Wie sich der Hochmut der Schnecken rächte

Vor langer Zeit lebte eine Schlange. Sie war die schnellste von allen Schlangen und sie hatte einen dicken Schuppenpanzer. Die Schlange schaute sich unter den anderen Tieren, die den Erdboden bewohnen, um, und stellte fest, dass keines der Tiere so schnell war wie sie. Da wuchs in ihrem kalten Herzen der Hochmut und sie begann, von unten herauf auf die anderen Tiere herabzublicken.

Sie schlängelte sich zu der Eidechse. Sie sagte: „Was seid ihr Eidechsen doch drollig! Es ist ein seltsames Spiel, dass ihr mit euren Gliedern treibt. Da zuckt und windet sich euer Schwanz noch, wenn ihr ihn vor Furcht von eurem Leib abgetrennt und auf die Erde geworfen habt. Eure Schuppen sind weich und schützen euch nicht. Stattdessen müsst ihr euren schönen Körper verstümmeln. Warum habt ihr Eidechsen keine festen Schuppen wie ich? Dann wärt ihr geschützt vor allen Angriffen und bräuchtet überhaupt keine Angst mehr zu haben. So wie ich!“

Sie wandte sich zu den Salamandern. Sie sagte: „Was seid ihr Salamander doch eitel! Ihr kleidet euch in die grellsten Schuppenkleider, die es auf dieser Erde gibt, um eure Feinde zu erschrecken und fernzuhalten. Und seid beständig auf der Flucht: Werdet ihr aus dem Wasser angefriffen, flieht ihr auf das Land, kommt ein Angriff auf dem Boden, nehmt ihr Reißaus in das Wasser. Immer müsst ihr davonlaufen, weil man euch so gut sieht. Warum habt ihr Salamander keine so gut getarnten Schuppen wie ich? Dann wärt ihr nicht so aufdringlich geckenhaft, sondern bescheiden in eurer Erscheinung. So wie ich!“

Zuletzt kroch die eingebildete Schlange zum Regenwurm. Mit ihm trieb sie ihre flatternde Zunge zu den übelsten Schmähungen. Sie sagte: „Was seid ihr Regenwürmer doch hässlich! Ihr habt überhaupt keine Schuppen. Ihr seid so dünn und schwach, jeder kann euch zertreten. Ihr seid schutz- und wehrlos, habt keine Zähne und keinen Biss. Ihr seid nackt. Jedes Tier hat Fell oder Federn oder Schuppen, außer ihr. Warum habt ihr Regenwürmer keine so schönen Schuppen wie ich? Dann wärt ihr nicht so armselig nackt in eurer dünnen Haut, sondern schön. So wie ich!“

 

Da neigte der kleine Wurm vor Scham seinen Kopf zu Boden. Eine einzelne Träne, rein und klar, rann aus seinem Auge und tropfte auf die Erde. Der salzige Tropfen trug all die Bitterkeit in sich, die der Regenwurm bis zu dieser Schmährede der eitlen Schlange je verspürt hatte, und bündelte in sich wie eine Lupe all die Schmach, die die anderen Tiere durch das geschuppte Tier erlitten hatten.

Sie war bitter und schwer und als sie auf das Erdreich traf, zerplatzte sie in schaumige, weiße Gischt, die die Schlange einhüllte. Es zischte und blubberte und als sich die Gischt wieder zurückzog, da fand sich die Schlange bar ihres Schuppenpanzers, ihrer Geschwindigkeit und ihrer spitzen Zunge beraubt, und ihre Haut war von einer ordinären dunkelbraunen Farbe.

So hatte die Schlange die Strafe für ihre Überheblichkeit ereilt und wurde fortan Schnecke genannt.

Let it bee

When I find myself in times of blooming

the queen bee speaks to me

speaking words of pollination

let it bee

 

And when the broken-hearted drones

living in the hive agree

there will be a swarming

let it bee

 

For though they may be parted

there is still a chance that they will see

there will be a new swarm

let it bee

 

Let it bee, let it bee,

let it bee, oh let it bee,

there will be a new swarm,

let it bee

 

And when the air is full of pollen

all the flowers bloom for me

they all will be polinated

let it bee!

 

  • inspired by The Bee…tles

Rotkäppchen

Ging ein Mädchen in den Wald,
der lieben Großmutter Kuchen und Wein zu bringen.
„Pass auf im Wald,
da ist es kalt!“
– „Ich zieh mein rotes Käppchen an,
dass es mich nicht frieren kann.“
So zieht es wohlgemut von dann‘,
vergisst die Warnung vorm bösen Wolf.

Leichten Schrittes,
leichtsinnig gar,
hüpft sie dahin
singt glockenklar
ein Liedchen auf die helle Sonn,
da fällt ein dunkler Schatten schon
bedrohlich, furchterregend groß
und zottig
auf des Mädchens Schoß –
es ist der Wolf,
man ahnt‘ es schon,
der nichts Gut’s im Schilde führt.
Rotkäppchens Lied erstickt im Ton.

„Na, hübsch’s Mädel,
wohin des Wegs
an diesem schönen Frühlingstag?“
– „Zieh Leine,
du böser, schlechter Wolf,
willst doch nur Arg’s
den jungen Dirn‘.“

„I wo, nimm dir ’nen Keks,
beruhig dich! Ich mag
die jungen Dinger, grad wie keine
andre Sach!“ Und nähert sich
dem Mädel
auf drei Schritt –
„Komm ein Stückchen näher!“
sagt Rotkäppchen da,
hebt lockend die Hand
wie zum Kraulen das Haar
des Wolfes –

und der fällt prompt drauf rein,
tappt hin
und in die Falle.
Denn das Mädchen,
– man glaubt es kaum! –
zieht ihn an den langen Ohr’n
dass er jault und heult,
ganz erbärmlich tönt’s
dass der Jäger ’s hört
und Mitleid ihn hereilen lässt.

„Mädchen, Mädchen,
lass ab vom armen Tier!
Hat seine Lehre doch schon gezogen -“
Denn Rotkäppchen hat mittlerweil
gezielte Schläge in Schnauze,
Nieren, Solar Plex
gesetzt,
und diese heft’ge Gegenwehr
entsetzt,
erstaunt den Wolf gar sehr!

„Ab mit dir
du Schwerenöter!
Bist doch nur ein dreckiger Köter,
verfilzt und voller Flöhe!“
Und mit einem letzten Tritt
in seinen Allerwertesten
entlässt ihn die Maid
aus ihrer Behandlung
(was sie fast ein wenig reut).

Und gebt gut Acht!
Denn so kommts,
dass der böse Wolf
den Schwanz einzieht
und einen weiten Bogen
um junge Mädchen
mit roten Kappen macht.

09.05.2010