Über den Ursprung der Globulen

Vor langer Zeit, als die Erdmutter Sumu von Los verwundet worden war und sich im Todeskampf wälzte, da lag sie vor Schmerz im Wahn. Sie fieberte und in ihren Träumen versuchte sie, den Qualen zu entkommen. Manche Träume waren licht und schön, voll des Glücks, dem die sterbende Göttin entsagen musste, manche Träume waren entsetzliche Alpträume voller Schrecken und Grauen, denen die Mutter begegnete. Doch Sumu hatte noch Kraft in sich, und durch ihre Magie wurden ihre Träume wahr. Die Traumwelten, die die Göttin sich erschuf, gewannen im Verlaufe ihres Ringens und Sterbens an Dichte und Festigkeit und Sein, bis sie schließlich real wurden und vom Traum in die Wirklichkeit heraustraten. Sumus Macht gereichte, dass einige dieser Welten heute immer noch existieren. Sie bestehen außerhalb ihres Leibes, dem festen Grund auf dem wir wandeln, da sie mit ihnen versuchte, vor dem Leid ihres Körpers zu fliehen. An manchen Stellen Deres ist die Wirklichkeit in der wir leben, in der die Erdriesin gestorben ist, dünner, und man kann hinübertreten in einen Traum Sumus und diese andere Realität bereisen. Dies sind die Globulen.

Die Tochter lehrte uns später den Weg in die Träume, und wenn wir ihn begehen, sind wir der Erdmutter nahe und wandeln auf ihren Pfaden.

01.09.2013

Wieso die Alraune schreit, wenn sie aus dem Boden gezogen wird

Es gibt ein Gewächs auf Dere, das ist die hässlichste Pflanze unter allen Knollen, die in Sumus Erde gedeihen: Die Alraune. So zerknautscht und unfertig wie ein frisch geschlüpfter Vogel oder ein neugeborenes Kind sieht sie aus, auch wenn sie ausgewachsen ist. Wir wissen, dass der meiste Aberglaube um die Alraune, halb Geschöpf, halb Gewächs, nicht mehr ist als die Unwissenheit der Büchergelehrten, die nichts von den Geheimnissen der Göttin wissen. Doch was hat es mit den Alraunigen auf sich?

Vor langer Zeit, als die Göttin noch über das Land wandelte, lebte ein kleines Mädchen, das Allraun geheißen ward. Sie war noch jung an Jahren, aber sie war schon sehr schön. Sie hielt sich für sehr vornehm und sprach darum so leise, dass sie nur raunte. Deshalb nannte man sie Allraun.

Eines Tages kam Satuaria an ihrem Haus vorbei. Sie war durstig und fragte das Mädchen, das gerade Rüben steckte, nach etwas Wasser. Aber Allraun gab keine Antwort, weil sie sich zu fein war, und das ganze Wasser lieber für ihre Rüben behalten wollte. Noch einmal bat die Göttin sie um einen Schluck Wasser. Da begann Allraun laut zu schimpfen, und weil sie selten so laut schrie, kam die Mutter herbei. Sie beschimpfte Satuaria, dass sie das Kind erschreckt hatte und schickte sie fort. Da drehte die Göttin sich um und ging.

Weil man sie aber dreimal zurückgewiesen hatte und ihr dreimal das Gastrecht verweigert wurde, verfluchte sie das Mädchen dazu, hässlich und runzlig zu sein und in der Erde zu versinken wie ihre Rüben, für die sie einer dürstenden Reisenden das Wasser verwehrt hatte. Und weil die Alraune nicht will, dass man ihr hässliches Gesicht sieht, fühlt sie sich noch sicher, wenn sie in Sumus Leib ruht. Zieht man sie aber heraus, dann erinnert sie sich, dass sie hässlich ist und schreit vor Gram.

Dies ist der Grund, weshalb die Alraunen so schreien, wenn man sie der Umarmung Sumus entreißt.

14.03.2013

Satuaria wendet sich wieder den Menschen zu und lehrt die ersten Hexen und: Wo die magischen Kraftlinien, Satuarias Spuren, herkommen

Als die Göttin Satuaria aber anerkennen musste, dass sie mit all ihrer Heilkunst ihre Mutter Sumu nicht mehr retten konnte, da wandte sie sich voll Trauer, Schmerz und Leid von den Kreaturen ab, die deren toten Leib bevölkerten. Und als sie erkannte, dass diese sich von der toten Mutter abgewandt hatten und zu deren Mörder, dem Giganten Los, beteten, da wurde sie zornig und fluchte ihnen, dass Krankheit und Sieche unter sie kamen und die Tiere ihnen in der Wildnis feindlich entgegentraten und Stürme die Felder heimsuchten und großen Schaden anrichteten. Und sie hob sich in die Lüfte, da sie es nicht mehr ertragen wollte, auf dem leblosen Körper Sumus zu wandeln.

Doch einige der Menschen, vor allem weise Männer, so bemerkte sie nachdem eine Spanne an Zeit vergangen war, hatten nicht aufgehört, zur toten Mutter zu beten – sie weigerten sich, die Kunde von ihrem Tod anzunehmen. Und wieder andere, kundige Frauen, besannen sich auf den alten Glauben und auf die junge, lebendige Göttin und riefen sie an, ihr Antlitz und ihre Gnade nicht von ihnen zu wenden. Ihre Bitten erreichten die Göttin und sie bekam Mitleid mit den verlassenen Menschen. Und so kehrte sie zurück zu ihnen und lehrte, die sie erkannten, ihre Künste und Weisheit.

Und wo ihr Fuß wandelte, da finden sich auch heute noch magische Spuren, Linien, die ihren Weg über Sumus Körper nachzeichnen; vielleicht die Blutbahnen der Urmutter, die sie mit ihrer Magie versucht hat, wieder zu beleben, vielleicht die Spuren ihrer magischen Tränen, die sie in ihrer unermesslich großen Trauer vergossen hat.
(01.12.2012)