Auf Tortuga! Teil 1

Hier findet sich ein Auszug aus den Notizen von Schwester Lydia, die die Ordensschwester nach ihrem Aufenthalt in Tortuga anfertigte. Die knapp zwei Tage, die ich auf der LARP-Convention war, lege ich für meinen gespielten Charakter als längeren Landgang aus, da die Handlung natürlich nicht über Wochen hinweg am Stück ausgespielt werden kann.

Lydia war also von ihrer Kirche als Missionarin auf die Pirateninsel geschickt worden. Kein leichter Auftrag, wie sich herausstellen wird…


Auf Tortuga! Teil 1

Die Wogen warfen das Beiboot in die Höhe, ließen es fallen wie ein launisches Kind sein Spielzeug und es landete unsanft auf der harten Meeresoberfläche. Salziges Wasser drang aus allen Richtungen auf die beiden Insassen ein. Bald wussten sie nicht mehr, wo oben und wo unten war.

Überfahrt mit Hindernissen

Pablo und ich hatten eine rauhe Überfahrt von der „Aaskrähe“ zur Insel. Binnen weniger Momente frischte der Wind auf, peitschte die See und unser Boot. Wir wurden mitsamt dem Beiboot an eine Felseninsel gespült. Ich hielt das Reliquiar, die hölzerne Truhe mit der kostbaren einbalsamierten Hand der Heiligen Franka, fest an mich gedrückt. Wie durch ein Wunder blieb die heilige Hand unversehrt. Andere Dinge, die ich für unseren Schrein und hoffentlich eine kleine, dauerhafte Kapelle mitgebracht hatte, gingen über Bord und ich musste sie aus der Brandung fischen.

Später beschwerte sich Pablo: „Da landen wir an diesem verdammten Felsbrocken und was holt sie als erstes aus dem Wasser? Dieses verflu… ähem, gesegnete Banner!“ Es ist das Banner meiner Kirche und seines Auftraggebers als Koch einer Mannschaft aus Freibeutern.

Die Strömung machte es uns unmöglich, an diesem Tag noch nach Tortuga überzusetzen. Wir fügten uns also in unser Schicksal und schlugen auf dem kargen Boden ein ebenso karges Lager auf. Glücklicherweise hatten wir den größten Teil des Proviants im Beiboot, nicht nur meine liturgischen Geräte. Das Kochgeschirr war allerdings bei den anderen und schon auf Tortuga. Pablo sorgte so gut es eben ging für unser leibliches Wohl, ich für unser geistliches. Uns fehlte nur noch eines: Unsere Mannschaft.

Ankunft auf Tortuga

Am nächsten Tag langten wir endlich am tortugiesischen Strand an und fanden das Lager unserer Mannschaft. Jetzt war der Moment gekommen, in dem sich Pablo über meine Rettung des Banners beschwerte.

Die Piratenspiele

Raul mischte bereits in dem angebotenen Zeitvertreib und Kräftemessen der Insulaner mit, wie ich nun erfuhr. In diesen Tagen sollten so genannte Piratenspiele stattfinden. Es würde mehrere Disziplinen geben, in denen sich die Teilnehmer messen konnten – doch welche Disziplinen es waren, das wurde im Voraus nicht bekanntgegeben.

Letztlich rangen sie um einen Diskus, schubsten sich gegenseitig von einer wackeligen Planke und zuletzt ging es um eine gelbe, gebogene Südfrucht.

Das Ringen um den Diskus war doch eher ein handfester Kampf um ihn, da fast jeder eine Klinge dabei hatte und diese auch benutzte. Raul musste einige schmerzhafte Hiebe und Schnitte einstecken, doch er schaffte es, bis zum Schluss immer wieder auf die Beine zu kommen. Der Arme spielte von Anfang an zu ehrlich mit diesen Piraten, die solche Skrupel natürlich nicht kannten.

Geschicktes Abwägen

Dann wurden sie einander in Zweierpaaren gegenüber gesetzt, ohne dass der eine den anderen sah. Raul und ein Seemann, den ich in den vorangehenden Tagen kennengelernt hatte, waren die ersten, die diese Runde begannen. Jeder erhielt ein Stück des gelben Obstes und musste ein Stück abschneiden. Dies wurde gewogen und, immer noch ohne Einblick des Gegners, der Sieger bestimmt, dessen Stück schwerer war. In drei Durchgängen. Sie durften ihre Bananenstücke dabei nicht selbst auf die Waagschalen legen, sondern mussten sie an einen Helfer weiterreichen, der direkt neben ihnen saß. Das störte meinen Plan ein wenig, aber es war für mich beschlossene Sache, dass ich eingreifen wollte. Raul hatte bis hierher jedes Spiel verloren und er spielte so regeltreu, dass es dem Herren Praios, der die Ordnung und die Gesetzestreue liebt, eine Freude sein musste.

Der listige Gott Phex ist aber mit dem, der sich selbst hilft. Wie heißt es so schön: ‚Hilf dir selbst, dann hilft dir Phex.‘ Keine Weisheit, nach der ich bisher oft gelebt habe. Aber irgendwann ist die Zeit für jeden der Zwölf Götter gekommen.

Die ersten beiden Bananenstücke wanderten in die Hand der zwei Helfer und auf die Waage. Dann die zweiten Stücke. Es ging  schnell.

Dann kam das dritte. Und ich langte zu und nahm dem Helfer das Obststück beherzt aus der Hand und biss hinein, in die ungeschälte Banane, wie in einen Apfel. Für einen Wimpernschlag oder zwei standen sie starr vor Überraschung. Dann hatte der Aufseher seine Pistole in der Hand und auf mich gerichtet. Pablo war mit einem langen Schritt vor mir, zwischen mir und der Waffe. Doch der Schiedsrichter zögerte und wusste nicht recht, ob er wirklich abdrücken sollte. Ich spürte und sah, dass es ihm aber gehörig gegen den Strich ging, um es salopp auszudrücken.

Letztlich ließ er zähneknirschend von mir ab, bedachte mich noch mit dem einen oder anderen bösen Blick und ließ die Sache auf sich beruhen. Der Matrose, gegen den Raul spielte, erhielt eine neue Banane und gewann damit diese letzte Spielrunde. Er sagte mir, dass er mir für mein Eingreifen dankbar war, anderenfälls hätte er dieses Spiel ja nicht gewonnen.

 

Davor: Richtung Tortuga

Danach: Auf Tortuga! Teil 2

Die Kunst, in mehr als einer Welt zuhause zu sein

Wie kann man in mehreren Welten zuhause sein?

Und was bedeutet der Name „Egilsheim“?

Die Sage von König Egil

Der Name steht in Verbindung mit dem altisländischen Sagenkönig Egil. Eine der in einschlägigen Kreisen – unter Altnordisten, Mediävisten und anderen ähnlichen Orchideenfach-Liebhabern – bekanntesten Sagas überliefert sein Leben und Wirken: Die Egils Saga. Aus der historischen Quelle ist gesichert, dass er im 10. Jahrhundert lebte und ein Lyriker (Skalde) und Anführer war. Und ein Wikinger, selbstverständlich.

Daneben erzählt die Saga von Egil als Wunderkind. Er soll mit drei Jahren nicht nur Lesen und Schreiben gekonnt haben, sondern darüber hinaus auch noch sein erstes Gedicht verfasst haben. So gerne man auch einen Blick auf dieses frühkindliche Meisterstück werfen würde – es ist leider nicht mit überliefert.

Eine negative Seite Egils will ich nicht verschweigen: Er war jähzornig und erschlug der Überlieferung zufolge im Kindesalter einen anderen Jungen, als er im Spiel gegen ihn verlor.

Runenmagie

Zurück zu den schönen Dingen. Egil war, so heißt es, der zaubermächtigen Runen kundig. Mithilfe des altnordischen Alphabets, dem Futhark, war es auserwählten Weisen möglich, auf magische Weise Krankheiten zu heilen, das Wetter zu beeinflussen und andere hilfreiche, zauberische Wirkungen zu erzielen.

Zuhause in Egilsheim

Diesen Sagenkönig habe ich mir als Patron meines Blogs ausgesucht. Er konnte dichten, Runen schnitzen, kämpfen, war vorausschauend und weise und lebte in einer spannenden Zeit an zwei Sehnsuchtsorten, in Island und Norwegen – was will man mehr?

In Egilsheim erzähle ich wie der Skaldenkönig Egil, was mich in den Welten bewegt, in denen ich mich bewege. Ich spiele gerne kooperative Brettspiele, Pen-and-Paper-Rollenspiele oder Computerspiele. Daraus ergeben sich immer wieder Geschichten und manche davon finden den Weg hierher.

Gedichte – Lyrics

Meine produktivste Zeit des Gedichteschreibens ist vorüber, aber wenn wieder eines anklopft und darum bittet, niedergeschrieben zu werden, werdet ihr es unter Lyrics finden, zusammen mit vielen der Gedichte, die ich in den letzten Jahren geschrieben habe.

Mit Galgenhumor und Augenzwinkern: Mein Leben als Untermensch

Das Unterkapitel Mein Leben als Untermensch ist autobiographisch angehaucht und zeitlich im Sommer 2019 angesiedelt.

Sci-Fi, SpaceFiction & Wikings in Space

Und – last but not least – ist meiner Liebe zu Skandinavien eine Kurzgeschichte in einem Sci-Fi-Weltraumsetting entsprungen (Nordic Space Opera) und mehrere Geschichten in meinem bodenständigen, mittelalterlichen, leicht phantastischem Skandinavien, das ich Svearland getauft habe.

Richtung Tortuga

Mit meinem LARP-Charakter Schwester Lydia stecke ich in den letzten Vorbereitungen für meine bisher größte LARP-Veranstaltung. Die Con heißt Tortuga und wird von dem Verein Legende-Orga e.V. veranstaltet.

Wie der Name schon vermuten lässt, geht es um Seefahrer, Piraten, Glücksritter und Abenteurer aller Art. In zwei Tagen geht es los, dann wird das Auto gepackt und ich werde mit vier anderen Leuten für vier Tage eine Schiffscrew spielen.

Ich gebe es zu: Ich habe keine große Lust, einen Piraten zu spielen. Ich kenne mich im Piraten-Setting und mit Seefahrt nicht aus, das könnte ich nicht überzeugend darstellen und in so einer Rolle fühle ich mich dann auch nicht wohl. Darum werde ich meine Ordensschwester und Priesterin ins Feld führen, die ich schon länger spiele. Inspiriert hat mich dazu u.a. der Film „Silence“ (2016), bei dem Martin Scorsese die Regie führte. Er spielt im 17. Jahrhundert und dreht sich um zwei Jesuiten-Padres, die auf der Suche nach ihrem Mentor von Portugal nach Japan reisen.

Bis jetzt habe ich die Priesterin nur in mittelalterlichen Settings gespielt, aber Missionierung war bis in das 17. Jahrhundert hinein noch ein Thema. Und einen Schiffskaplan kann man immer gebrauchen, nicht wahr?


Richtung Tortuga

Aus den Aufzeichnungen von Schwester Lydia

Wie ausgewrungene Lappen hängen die Segel der ‚Aaskrähe‘ in den Wanten. Der Zweimaster dümpelt auf den flachen Wellen, die gluckernd und mit leisem Klatschen an den Kai schlagen. Selbst das Meer ist träge an diesem Tag. Möwen kreischen schrill, während sie ihre Kreise am Himmel unter den Wolken ziehen.

Es herrscht Flaute, aber das macht nichts. Erst am morgigen Tag wird die Mannschaft den Anker lichten und wir werden nach Tortuga fahren. Die ‚freie Insel Tortuga‘, wie sie sich nennen.

Ich habe Furchtbares von dieser Insel gehört. Ein Piratennest, das allerhand raues Volk anzieht wie Honigkuchen die Wespen. Wobei ich bezweifle, dass wir dort so etwas Erlesenes wie Honigkuchen finden werden. Teile ganzer Mannschaften, die dort auf Landgang gingen, sind nach ihrem ersten Abend auf Tortuga nie mehr aufgetaucht, weder tot noch lebend. Und das ist nicht nur Seemannsgarn, ich habe diese beunruhigende Information aus vertrauenswürdigen Quellen.

Missionarin im Auftrag Seiner Hochwürdigsten Erhabenheit

Der Patriarch der südlichen Kirche und gleichzeitig weltliches Oberhaupt des Imperiums, das sich nach der Farbe der Kirche die ‚Schwarze Allianz‘ nennt, will die Missionierung und Erschließung neuer Kolonien voranbringen. Und da der Patriarch nicht nur Kirchen-, sondern auch Staatsoberhaupt ist, ist ihm darüber hinaus auch an einer gut gefüllten Staatskasse gelegen. In diesem Auftrag segeln etwa 300 Freibeuter unter der schwarzen Flagge des Imperiums, ausgestattet mit Brief und Siegel, die ihren Auftrag durch die Schwarze Allianz bestätigen.

Meine Ordensvorsteherin wusste, dass ich mich seit Längerem für die Arbeit der Missionare interessiere. Vielleicht half es auch, dass unser Hauptkloster im Einflussbereich der Schwarzen Allianz liegt und sie so der Aufruf Seiner Erhabenheit, des Patriarchen, ganz unmittelbar erreichte. Jedenfalls darf ich ein Schiff der Freibeuter-Flotte begleiten und ich suchte mir ein Lazarettschiff aus, eben den kleinen Zweimaster ‚Aaskrähe‘.

Wir segeln hinter den Heckwellen der großen Armada, in sicherem Abstand zu allen Schlachten und zum Kriegsgeschehen. Wir sind nur leicht bewaffnet. Die Verwundeten, sowohl die aus unseren Reihen als auch die von unseren Gegnern, werden zu uns gerudert und auch die Toten. Letztere bette ich mit einer Seebestattung zur Ruhe, erstere werden getauft und dann von unserer Wundärztin versorgt… wenn sie die Taufe angenommen haben.

Auf Tortuga wird allerdings nicht die ganze Crew an Land gehen. Der Smutje Raul, der Schiffszimmermann Pablo, der Seemann Yassir, besagte Feldscherin namens Kiata und meine Wenigkeit werden das Banner meiner Kirche hissen, die heilige Reliquie an Land bringen und sehen, ob wir den Glauben verbreiten können.


Weiterlesen: Auf Tortuga! Teil 1

Von Raben und Krähen

Mein LARP-Charakter Schwester Lydia hat auf der ersten LARP-Veranstaltung, während der ich in diese Rolle geschlüpft bin – auf dem Heerlager zu Lauf 2016 – einen Glaubensbruder kennengelernt. Er gehört derselben Kirche, aber einem anderen Orden an, der kämpferisch ausgerichtet ist. Sein Name ist Tassilo. Er ist kein Kämpfer, sondern Kämmerer in seinem Orden. Mein Charakter widmet sich insbesondere der Traumdeutung und der Seelsorge.

Bei einem Gespräch waren wir uns uneins. Er vertrat die Meinung, dass Raben und Krähen unterschiedliche Tiere seien. Ich stütze mich hingegen auf die taxonomische Einordnung, nach der nur die Größe für die unterschiedliche Bezeichnung ausschlaggebend ist, aber die Art dieselbe ist.

Ich konnte ihn nicht überzeugen. Das Thema hat mich aber nicht losgelassen und deshalb schrieb ich nach der LARP-Con in der Rolle als Schwester Lydia eine knappe Abhandlung „Von Raben und Krähen“.

Mit Bruder Tassilo verstehe ich mich übrigens immer noch hervorragend.


 

Mit einem Bruder in Boron führte ich ein Gespräch über das heilige Tier unseres göttlichen Herren und erkannte, dass wir unterschiedlicher Ansichten waren. Wir blieben es auch nach Beendigung unseres Wortwechsels. Zurück blieb in mir der Wunsch, die Betrachtung in den stummen Worten der Schrift festzuhalten und fortzusetzen.
Bruder Tassilo gehört dem Orden des Heiligen Golgari an. Ich lernte ihn als Akoluthen der Boronkirche kennen. Damals war mir nicht bewusst, dass er den Weg zur Weihe beschreitet, denn dies ist für einen Laiendiener eher ungewöhnlich. Schließlich hatte er sich mir nicht als Novize vorgestellt. Anderenfalls hätte ich häufiger den Austausch über religiöse Themen mit ihm gesucht.
Jahr und Tag später traf ich ihn wieder als Seine Gnaden Tassilo, Ritter Golgaris – immer noch ein vollwertiges Mitglied der Golgariten, der den Ritterschlag seines Ordens erhalten und darüber hinaus die Priesterweihe empfangen hatte. Immer noch sprachen wir nicht viel miteinander, doch bei einer Gelegenheit kam die Rede auf die Krähen und Raben.

Bruder Tassilo äußerte seine feste Überzeugung, dass nur die edlen Raben Diener des Dunklen Gottes seien, Krähen hingegen unwürdige Kreaturen und nicht borongefällig. Dieser Ansicht konnte und kann ich nur widersprechen. Der Traumbote Borons selbst zeigt sich in zwei sehr unterschiedlichen Gestalten: Schenkt er erbauliche Traumgesichte, so erscheint er als stattlicher Rabe mit glänzendem Gefieder und von prächtiger Gestalt. Bringt er hingegen Alpträume, so kommt er als zerzauste Krähe, sturmgebeutelt, mager und bisweilen sogar skelettiert.
Diese Zuschreibungen sind mehr als bloße Metaphern, welche ein angenehmes Erscheinungsbild des Boten mit angenehmen Träumen und das erschreckende Bildnis mit erschreckenden Träumen assoziieren. Nein, vielmehr gibt es Berichte von Dienern Bishdariels, nach denen sich der göttliche Sendbote selbst dem Träumenden kurz vor oder nach diesem oder jenem Traum in der einen respektive anderen Gestalt offenbart hätte.
Folglich wählt der Alveraniar Borons zwischen seiner Krähen- oder der Rabengestalt.
Es mag in selteneren Fällen und besonders in daimonisch verseuchten Gebieten wie den Schattenlanden auch Alpträume geben, die nicht von Boron gesandt sind, doch die meisten schickt Er uns als Warnung. Der Herr über den Schlaf sendet nicht nur angenehme Träume!

Nun habe ich mich während meiner Zeit als Skriptorin unseres Klosters auch mit Schriften über die Fauna – die Tierkunde – befasst. Besonderes Augenmerk galt mir dabei den heiligen Tieren meines Ewigen Herren.
Der bosparanische Name sowohl von Raben als auch von Krähen lautet Corvus. Dies ist
der Tatsache geschuldet, dass beide Vögel, so unterschiedlich sie ihrer Erscheinung nach auch zu sein scheinen, ein- und derselben Art angehören. Die größeren Tiere dieser Gattung werden als Raben, die kleineren als Krähen bezeichnet. Landläufig gelten sie als zweierlei Arten:
Die Krähe ist der Galgenvogel, als Saatkrähe ein Schädling, als Sturmkrähe unansehnlich, als Aaskrähe unrein und der Volksmund sagt, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.
Der Rabe gilt als wissend und weise sowie prophetisch begabt, niemand spricht von einem ‚Sturmraben‘ oder einem ‚Aasraben‘. Wer eines dieser klugen Tiere als Haustier halten will, spricht von seinem Raben und nicht von seiner Krähe – höchstens, er will schlecht über den Vogel reden, weil er ihn beispielsweise mit seinem Krächzen nicht schlafen lässt. Oder sind es doch die Rabenschreie, nicht das Krähenkrächzen? – Lediglich der Unglücksrabe weicht von diesem Schema der schlecht konnotierten Krähe und dem mit guten Attributen versehenen Raben ab.

An Unterarten gibt es den großen Borons- oder Kolkraben mit den charakteristischen Federn am Schnabel und an der Kehle; die Aaskrähe, welche in ihrer grau-schwarzen Form Nebelkrähe und in ganz schwarzem Gefieder Rabenkrähe geheißen wird; die Saat- oder Kornkrähe wie auch die Gespensterkrähe bis hin zu der kleinen Dohle mit den blauen Augen. Die Sandkrähe ist in trockeneren Gegenden verbreitet. Der schwarz-weiße Streifenmeister ist wohl eher ein Tier Phexens. Er stiehlt alles was glänzt und legt damit richtige Horte an hohen, unzugänglichen Orten an.
Allen ist gemein, dass sie ein hohes Alter erreichen können. Glaubhafte Aufzeichnungen künden von einer Dohle, die fast 30 Jahre alt wurde.

Der Volksglaube besagt, dass Raben – und nicht nur der Seelenrabe Golgari, sondern alle Raben als Borons Symboltiere – die letzten Worte der Sterbenden hören und deshalb um alle dunklen Geheimnisse wissen würden. Wenn man zu einer Handlung ansetzt und ein Rabenvogel schreit, sei dies eine Warnung vor Todesgefahr. Wenn man von einem Raben stumm betrachtet werde, sei dies ebenfalls ein schlechtes Omen. Wer einem Raben das Leben nimmt, würde binnen eines Siebenspanns sterben, und wer eine Krähe tötet, würde zu einem nächsten Leben in Krähengestalt verdammt. In Anbetracht meiner obigen Ausführungen zur Einheit von Raben und Krähen läuft es dann wohl immer auf den Tod innerhalb einer Woche, gefolgt von einem neuen Leben als Rabenvogel, hinaus.
Zu guter Letzt, so weiß es der Volksglaube, würde die Dohle als Bergbewohner ihren warnenden Ruf für jene erschallen lassen, welche sich zu weit Richtung Alveran gewagt hätten.

Auch wenn landauf und landab zwischen Raben und Krähen unterschieden wird, so weiß der gelehrte Tierkundler, dass es sich um eine einzige Tierart handelt. Mehr noch weiß ein Borondiener, dass sowohl die Vögel, die als Krähen bezeinet werden, als auch
die Raben Boron heilig sind.

Mein Leben als Untermensch – Teil 5: Mein Vermieter

Mein Probemonat bewegt sich auf die Halbzeit zu und meine Zeit im so genannten Kellerloch damit ebenso. Der Kühlschrank ist leider nicht das einzige, was nicht funktioniert – auch fließendes kaltes Wasser ist Mangelware, was das Abspülen, Runterspülen und Duschen ziemlich schwierig bis unmöglich macht.

Aber hey, es sind ja nur noch zwei Wochen! Und jetzt, wenn mein Kumpel und Vermieter zu Besuch kommt, wird es bestimmt besser werden.


Mein Leben als Untermensch – Teil 5: Mein Vermieter

Mein Vermieter ist da. Da er vor meinem Einzug offensichtlich die Augen vor einigen Dingen verschlossen hat, sehe ich es als meine Pflicht als gute Mieterin und gute Freundin, sie ihm zu öffnen.

Er hatte vor meinem Einzug versprochen, dass er mir ein Fahrrad leiht, damit ich meines nicht für diesen einen Monat herziehen muss. Nur leider war das Fahrrad, das er mir besorgt hat, kaputt: Die Kette ist jedes Mal, wenn ich in die Pedale getreten bin, rausgesprungen. Ich sage ihm das und er beteuert, dass das zum ersten Mal passiert sei! Ich muss fast lachen bei dieser Floskel. Ein sehr berühmter und berüchtigter Spruch. Er verspricht mir ein anderes Fahrrad.

Er fragt mich, wie das Bett ist. Ich sage ihm, er soll sich mal auf die Matratze legen. Er tut es und kaum, dass er liegt, stöhnt er, wie schrecklich die Matratze sei. Er verspricht, mir eine andere Matratze zu besorgen.

Er fragt mich, an was es mir sonst noch fehlt. Ich sage ihm, dass ich mir eine intakte Klobrille wünsche. Die jetzige hat keinen Deckel. Er wirft einen prüfenden Blick in die Kloschüssel, wo sich ihm genau der Anblick bietet, den mein Mitbewohner dort hinterlassen hat. Mein Vermieter ist angeekelt und regt sich mehr auf, als ich erwartet hätte. Auf eine neue Klobrille geht er trotzdem nicht ein.

Einen Badschlüssel wird er auch nicht kaufen, das ist ihm zu viel Aufwand, stattdessen soll ich das tun und er gibt mir dann das Geld. Okay.

Die Matratze besorgt er im Handumdrehen. Sie fühlt sich viel besser an als die alte, so viel besser. Dass sie zu groß ist für das Bett und zehn Zentimeter über den Rand hinaussteht, gerät darüber in den Hintergrund.

Als ich ihn frage, woher er sie so schnell bekommen hat, erfahre ich, dass die Matratze nebenan in einem der abgeschlossenen Kellerräume gestanden hat, im Heizungsraum. Ein erstaunlicher Fund, im Vergleich zur restlichen Ausstattung des Kellerlochs.

Zwei Tage später bringt er mir ein anderes Fahrrad. Die Kette rostet und quietscht, die Griffe kleben an den Händen und hinterlassen an den Handflächen schwarze Brösel, der Sattel ist zu tief für mich und ich habe kein Werkzeug, um ihn höher zu stellen. Aber es fährt.

Drei Tage später ist Montag. Ich will in die Arbeit fahren, fette die Kette und als ich losradeln will, macht der Hinterreifen „flapflapflap“. Er ist komplett leer, nichts mehr drin, gar nichts, nada, ein luftleerer Raum. Also wieder das Fahrrad abgestellt, zugesperrt, ein Buch geschnappt und ab zur U-Bahn.

Wieder zwei Tage später wechseln wir den Schlauch. Er hilft mir netterweise, wir hatten sowieso vor, zusammen zu Abend zu essen. Ich habe trotzdem Lust, ihm die Fahrscheine in Rechnung zu stellen. Und den Fahrradschlauch.

In sieben bis zehn Tagen bekomme ich einen neuen Kühlschrank. Sagt mein Vermieter.

16.06.2019

 

Davor: Teil 4 – Wohne und dusche

Danach: Teil 6 – Kommunikation ist eine schwierige Sache

Im Zwielicht

Schwester Elìns sprunghaften Abschied nimmt Noiona nahezu reglos entgegen. Lediglich die Laterne in ihrer Hand schaukelt wild bei Elìns spontaner Umarmung und Noiona hebt die andere, freie Hand zum Abschied.

Dann folgen ihre hellblauen Augen der Spur, auf die Gorm sie hinweist, und wandern bis zu der dunklen Stelle, wo dem Anschein nach Stufen im Halbdunkel nach unten führen. „Ich glaube schon, dass sie noch da ist“, sagt sie mit Bedacht, „und wir haben den Herrn Boron auf unserer Seite. Es gibt einen alten Spruch: Wenn die Götter für uns sind, wer kann dann gegen uns sein?“

Mit dieser offenen Frage, voller Zuversicht gestellt, verfolgt Noiona Schritt um Schritt die Stapfen im Schnee.


Gorm hat wieder ihre Hand gefasst, und nebeneinander gehen sie im unruhig über den Schnee tanzenden Licht der kleinen Laterne auf die Stufen zu. Am oberen Ende der etwa zwei Schritt breiten Treppe zögert er unmerklich, und die Geweihte spürt fast körperlich die Angst des Jungen vor dem, was ihn dort unten wohl erwarten möge.

Seite an Seite steigen sie hinab. Die ersten Stufen sind noch von Schnee bedeckt, doch bald wird die Schneedecke dünner, um endlich ganz zu verschwinden. Kalter schwarzer Stein umgibt sie nun, und das Heraufziehen des neuen Tages ist nur noch eine Erinnerung. Das Licht ihrer Laterne scheint schwächer zu werden, es ist, als raube ihm die neuerliche Dunkelheit jede Kraft; es erhellt kaum den roh behauenen Stein, der sie auf allen Seiten umgibt. Die Erbauer dieses Tempels haben sich nicht mit überflüssigem Zierrat aufgehalten, ob aus mangelnder Kunstfertigkeit oder Demut angesichts der Macht des Ewigen wird niemand je erfahren, denn die Steinmetze, die diese Treppe einst schlugen, müssen seit Jahrhunderten tot sein.
Tiefer geht es und tiefer, nach vielleicht zwanzig Stufen hört Noiona auf zu zählen, achtet nur noch auf ihre Schritte im ungewissen Licht.
Ein Geräusch lässt sie innehalten. Zuerst fühlt sie es mehr als dass sie es hört – ein tiefes Vibrieren, und es ist ihr, als sei es Sumu selbst, deren Leib diesen Ton erzeugt. Gorms eiskalte Hand umklammert die ihre, und während sie überlegt, ob es ratsam ist ihren Weg fortzusetzen, erklingt dort in der Tiefe eine zuerst leise, dabei fast überderisch schöne Stimme, schwingt sich empor zu einer herzzerreißenden Klage, deren Worte ihren Weg in die Herzen der beiden Zuhörer in der Dunkelheit finden.

„Ich bin elend und voller Schmerzen
Hilf mir, o Boron!
Schon reicht mir das Wasser bis an die Kehle
Ich bin in tiefem Schlamm versunken
Und habe keinen Halt mehr
Ich geriet in tiefes Wasser
Die Strömung reißt mich fort
Ich bin müde vom Rufen
Meine Kehle ist heiser
Mir versagen die Augen
Während ich warte auf meinen Gott
Ich bete zu dir,
Herr Boron, um Gnade.“

Und wie eine Antwort gesellen sich weitere Stimmen der ersten zu, streng, mahnend und doch voll inbrünstigen Glaubens hallt ihr Gesang von unsichtbaren Wänden wider.

„Senkt euer Haupt im Angesicht des Herrn.
Tuet Buße!
Bedeckt eure Augen vor der strahlenden Allmacht des Herrn.
Er bringt euch Erlösung, er bringt euch Vergessen.
Kniet nieder zum Gebet!
Erflehet Seine Gnade für euer unwürdiges Leben.
Seinen Geboten habt ihr zu folgen.
Denn Er ist der Herr über eure Seelen,
Er ist der Stille,
Er ist der Schweigsame,
Er ist der Unergründliche,
Er ist der Unausweichliche,
Er ist BORON!“

Die auf den Choral folgende Stille gleicht dem ewigen Schweigen Borons.


Noiona steigt vorsichtig über die dunklen Stufen nach unten. Dieser Gesang… Die erste Stimme ordnet sie Morlinde zu, weniger weil sie den Klang aus ihrem Traum wiedererkennen würde, sondern aufgrund der Verlassenheit und der Verzweiflung, die in überderischer Schönheit zum Ausdruck gebracht werden. Doch sie ist nicht verlassen! Gleich mehrere Stimmen geben ihr gesanglich Antwort.

Die Geweihte bemerkt erst, dass sie stehen geblieben ist, als Gorm an ihrer Hand zupft, und tut erst wieder einen Schritt, wenn der Nachhall der letzten Silbe verklungen ist. Sie kann das Zeichen Borons nicht mit den Händen machen, da sie rechts die Laterne, links Gorms Hand hält, aber sie betet im Geiste die Worte ergriffen mit.


Endlich hat sie den Fuß der Treppe erreicht. Vor ihr und ihrem kleinen Begleiter öffnet sich ein Gewölbe, dessen Größe schwer einzuschätzen ist, wird es doch vom flackernden Licht einer Fackel, die in einem Halter an der Wand steckt, und der Laterne in ihrer Hand nur unzureichend erleuchtet.

Zwischen mehreren gedrungenen Säulen, die die Decke der Krypta stützen, erblickt sie fünf zu stummem Gebet um einen Altar versammelte, in dunkle Roben gehüllte Gestalten. Zwei der Männer kehren ihr den Rücken zu, ihnen gegenüber stehen auf der anderen Seite der Bahre ein dritter Mann und ein Jüngling, wohl ein Novize.

Wenn sie eben noch gehofft hatte, es sei Morlinde, deren Gesang sie tief im Herzen berührt hat, wird sie nun eines Besseren belehrt. Das, was Noiona beim ersten Hinschauen als Altar zu erkennen vermeinte, ist ein Tisch aus Stein, auf dem, die Hände über der Brust gekreuzt, eine Tote aufgebahrt liegt. Zu Füßen der Toten steht hoch aufgerichtet mit zur Anrufung Borons erhobenen Händen ein Greis.
Niemand der fünf Männer scheint die beiden Eindringlinge zu bemerken, und wenn doch, so lassen sie sich nicht in ihrer tiefen Kontemplation stören.

Auch die Tote ist in den Habit der Diener Borons gehüllt. Die Kapuze ist ein wenig von ihrer Stirn geglitten und entblößt ein kahl geschorenes Haupt und von jahrelanger Askese ausgezehrte Züge. Noiona hat schon viele Tote gesehen, der Tod, so er kommt, hat keinen Schrecken für sie, ist er doch das Geschenk des Herrn Boron an die Lebenden. „Wenn des Lebens Müdigkeit überschwer wird, wenn du alles gesehen, was zu sehen und alles ertragen, was zu ertragen ist, dann ist der ewige Schlaf Lösung und Erlösung.“ So steht es geschrieben.
Der Junge an ihrer Seite aber zittert wie Espenlaub und in der Stille ist das Aufeinanderschlagen seiner Zähne zu hören.


Kälte, Furcht, gespannte Erwartung – Noiona fallen viele Auslöser für Gorms Schlottern ein. Spontan lässt sie seine Hand los und legt den Arm stattdessen um seine schmalen Schultern. Ihr ist auch kalt und mulmig zumute. Wer sind diese Männer, diese Geweihten? Und gleich zu fünft, das ist kein Zufall. Wie fanden sie den Weg in das abgelegene, in Ruinen liegende Kloster? Hatte Bishdariel auch ihnen Träume von Morlinde gesandt? Diese Fragen bemächtigen sich ihrer wie ein diffuser Nebel.

Dass Morlinde zu Boron gegangen ist, muss Gorm erkannt haben, genauso wie sie. Die sinistre, aber bewegende Szenerie lässt keinen anderen Schluss zu. Mit Gorm im Arm geht sie in kleinen Schritten auf die aufgebahrte Frau zu. Zwei Schritt von den Männern entfernt, die mit dem Rücken zu ihr stehen, verharrt sie. Sie wartet ab, doch keiner rührt sich. Lediglich den Jüngsten, den Akoluthen oder Novizen, so glaubt sie, sieht sie einen Wimpernschlag kurz zu ihnen blicken, doch im nächsten Augenblick schaut er wieder unbestimmt ins Nichts, über die Schulter seiner beiden Gegenüber hinweg.

Mit leisen Schritten, die zusammen mit dem Rascheln ihres Habits und Mantels in der fast mit Händen zu greifenden Stille von den rohen, im Schatten liegenden Wänden widerhallen, wandert die Ordensschwester weiter und hinter den Männern vorbei zum Kopfende der Toten. „Dies ist der Moment“, wispert sie Gorm tonlos zu und beugt sich zu seinem Ohr, „an dem du Abschied nehmen musst. Es tut mir leid, dass du sie nicht kennengelernt hast. …Magst du näher hingehen?“, fragt sie ihn um ihm zu zeigen, dass es ihm wohl niemand übel nehmen würde. Die Abschiednahme ist schließlich ein Teil aller Begräbniszeremonien, die sie kennt. Und dass sie den Arm nicht von seiner Schulter nimmt soll Gorm versichern, dass sie die kurze, aber schwere Strecke an die Bahre gemeinsam mit ihm gehen würde.


Der Junge blickt zu ihr auf. Sie sieht die Angst in seinen Augen, aber auch das Vertrauen, dass sie ihn nicht allein lassen wird. Langsam nickt er, schluckt schwer und sie kann spüren, wie das Zittern weniger wird und schließlich ganz aufhört. Er macht einen ersten, zögernden Schritt, dann einen zweiten. Niemand nimmt von ihnen Notiz, obwohl ihre Anwesenheit keinem der Männer entgangen sein kann.

Ein letzter Schritt, und sie stehen am Kopfende der Toten. Unbewegt sieht Gorm auf die Frau, die seine Mutter war. Es gibt keine Ähnlichkeit zwischen dem Jungen und Morlinde. Wo seine Brauen und Wimpern golden sind, sind die ihren wie schwarze Schatten, wo seine Lippen voll und rot, sind die ihren schmal und blass. Nur die Form des Gesichts und die zarte Nase mögen ein wenig an sie erinnern.

Gorm strafft die schmalen Schultern.

„Worte der Heiligen Schrift, wie sie überliefert sind seit Anbeginn der Zeiten. Ehre sei Boron.“

Seine Stimme ist leise, aber fest, als er fortfährt, die Worte zu rezitieren, die er sich bei Jumis Begräbnis gemerkt haben muss.

„Da sprach Boron ein Wort, und das Wort war der Tod. Und Boron sprach ein zweites Wort, das war der Schlaf. Und er gab den Menschen das Vergessen, damit sie Trost finden können, und den Traum und das Schweigen.“

Der Greis, der zu Füßen der Toten steht, lässt langsam die Hände sinken. Er trägt wie alle Diener Borons den schwarzen Habit. Auf seiner Brust, im Licht der Fackel kaum zu erkennen, ist eine Stickerei zu sehen: das gebrochene Rad, darüber die Schwingen des Raben. Im Schatten der Kapuze kann Noiona sein Gesicht nur erahnen, doch seine ganze Haltung atmet Strenge und Tadel.

Sie wird nie erfahren, was der Geweihte getan oder gesagt hätte, denn in diesem Moment stößt der Mann neben dem Novizen einen Schrei aus, deutet auf den Jungen und sinkt bewusstlos zu Boden.


Noiona staunt nicht schlecht, als Gorm unvermittelt die Worte wiedergibt, die sie selbst ausgesprochen hat. Ihr verblüfftes Schweigen und die gestrenge Stille, mit der der Alte Gorm mustert, währen jedoch nicht lange.

Der Schrei schmerzt in ihren Ohren und reißt sie mit einem Mal aus der andächtigen Stimmung. Mit einem Schritt steht sie hinter dem Jungen und legt ihm beschützend die Hände auf die Schultern. Ihre Sorge um Gorm ist größer als die Frage, wen oder was der andere Boroni in ihm erkannt zu haben glaubt. Abwehrend blickt sie in die Gesichter der Männer, eine Rabenmutter, die bereit ist, ihr Junges zu verteidigen.


Davor: Morlinde
Danach: Borons Wille