Auf Tortuga! Teil 2

Die Ordensfrau Schwester Lydia ist auf Missionsreise im tiefen Süden, auf der Insel Tortuga. Ein Piratennest sondergleichen.

So weit die Handlung im Spiel. Im wirklichen Leben vollzog sich das Spiel auf einem Zeltplatz nördlich von Frankfurt auf der jährlichen Tortuga-Convention des Orga-Vereins Legende Orga e.V.

Nach der Vorgeschichte über die Anreise nach Tortuga berichtet der erste Teil in den Notizen der unerfahrenen, aber nichtsdestotrotz ambitionierten Missionarin von den Piratenspielen, bei denen sich Raul wacker, aber leider erfolglos schlägt, von gebogenen Früchten und gebogenen Regeln.

Hier ist der zweite Teil der Aufzeichnungen von Schwester Lydia.


Auf Tortuga! Teil 2

Eine nächtliche Überfahrt

Am Abend nach den Piratenspielen wurden wir zu einem Besuch auf dem Schiff „Wogende Helga“ eingeladen. Es war ein Zweimaster wie unsere „Aaskrähe“, unser eigenes Schiff, das ein gutes Stück weiter vor der Insel geankert hatte. Und es war ein prächtiges Schiff, das sie hatten, so weit ich das beurteilen kann.

Wir setzten auf eine der nächsten, kleinen Inseln über, auf der die Rotröcke ihr befestigtes Lager errichtet hatten. Der Nachthimmel war wolkenlos und unsäglich schön, die Sterne so  dicht wie die glitzernden Tröpfchen am Fuße eines Wasserfalls. Das Sternbild Rabe stand mit seinen weit ausgebreiteten Flügeln am Himmel und zog auf dem Sternenpfad über uns dahin.

Als wir uns ihrer Palisade näherten, schlugen die Rotröcke sogleich Alarm. Doch wir sind keine Tortugiesen, wie hatten weder Groll gegen sie noch in die bewaffneten Auseinandersetzungen während der letzten Tage eingegriffen. Es wurde ein angenehmer Abend mit Würfelspiel, Gesang – mehr von Seiten der Soldaten als von uns, da wir ihre Lieder nicht kannten – und nur einem eher halbherzigen Überfall durch Tortugiesen, die ebenfalls im Schutz der Nacht zu dieser Insel übergesetzt hatten.

Sie griffen einmal an und verzogen sich wieder. Die Palisade hielt stand, eine Stelle fing jedoch Feuer, bei dessen Löschen ich half. Mit neu gewonnenen Sympathien verabschiedeten wir uns.

Die Begegnung mit dem Tod

In einer der kommenden Nächte… begegnete ich dem Tod.

Sie erkannte mich als eine derer, die ihr dienen. Schließlich bin ich eine Priesterin Borons, dem Herrn des… nun ja, Todes. Und der Tod führt den Willen Borons aus, worum auch ich mich immerdar bemühe. Der Tod – sie – ist natürlich weitaus mächtiger und näher an meinem Gott als ich.

Sie war sehr freundlich zu mir, ließ mich sie begleiten und stellte mich ihren Gesprächspartnern, darunter auch zwei hohen Herren von Tortuga, bisweilen sogar als ihre Tochter vor. Zu viel der Ehre…

Der Tod sagte mir, dass sie Urlaub auf Tortuga mache. Während ihrer Absenz würde ein Stellvertreter in Wolfsform die Seelen der Todgeweihten abholen und zu Boron geleiten. Eine interessante Information. Ich hatte von den Nordleuten gehört, dass sie einen Gott anbeten, der meinem Gott zu entsprechen scheint. Er wird, genauso wie mein Herr Boron, von zwei Raben begleitet – darüber hinaus aber auch von zwei Wölfen.

Insularische Naturforschungen

Eine weitaus profanere Begegnung und Bekanntschaft möchte ich nicht unerwähnt lassen. Zwei Zelte neben unserem Lager hatten drei Naturforscher ihre Forschungsstätte errichtet. Es war der berühmte Naturforscher Alexander von Rumboldt, gemeinsam mit seiner kreolischen Ehefrau Lumumba und einer Praktikantin. Zu dritt spürten sie den Tierarten und Umweltbedingungen auf Tortuga nach, machten Aufzeichnungen und fertigten Zeichnungen an. Besonders waren sie von einer Hundeart begeistert, die sie entdeckten. Diese Art ist endemisch, das heißt, sie kommt ausschließlich auf dieser Insel und nirdendwo sonst vor.

Unerwartete Hochkultur

Gänzlich überrascht von diesem hochkulturellen Angebot erfuhren wir von einem Opernabend. Karten für die zweitbeste Kategorie mussten uns genügen, doch später war ich froh, dass wir hinten im Raum, in der zweiten Klasse, saßen. Es wurde sehr stickig und hinten hatten wir frischere Luft… und weniger unangenehm hohe Herrschaften von Tortuga in direkter Sitznachbarschaft.

Vorab gab es Häppchen und sprudelnden Perlwein und Debattierkärtchen mit Vorschlägen, welche Fragen man an seine Gesprächspartner richten könnte, wenn man wenig Erfahrung mit solchen gesellschaftlichen Ereignissen und seichtem Geplauder hatte. Und auf so einige der Besucher traf das zu.

Der Opernabend an sich war abwechslungsreich, unterhaltsam, geistig ansprechend und… lang. Ich hätte ihn nicht missen wollen, sie hatten eine waschechte Opernsängerin auf der Bühne, für deren Darbietung der Raum schier zu klein war.

 

Ja, wir hatten auch eine gute Zeit auf Tortuga. Doch was danach geschah, überschattet bis heute die Erinnerung an den gesamten Aufenthalt auf dieser verfluchten, götterverlassenen Insel.

 

 

Davor: Auf Tortuga! Teil 1

Danach: Auf Tortuga! Teil 3

3 Kommentare zu „Auf Tortuga! Teil 2

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